Centiel liefert Notstrom für Firmenhülle von Hochdorf

16. März 2026 um 15:38
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Tessin. Foto: Getty Images / Unsplash+

Das Tessiner Tech-Unternehmen will über eine ungewöhnliche Konstruktion an die Börse: Statt eines klassischen IPOs soll die börsenkotierte Hülle des ehemaligen Milchverarbeiters Hochdorf übernommen werden.

In etwa einem Monat wird die Schweizer Börse SIX einen Neuzugang erhalten: Mit dem Tessiner Unternehmen Centiel strebt ein schnell wachsendes Technologieunternehmen an die Börse. Dabei werde es aber kein normaler Börsengang sein. Centiel werde die ehemalige Hülle des Milchverarbeiters Hochdorf übernehmen, die nach dem Verkauf des Kerngeschäfts an der Börse übriggeblieben war.
Centiel ist in der Nähe von Lugano ansässig und bietet Technologien für die unterbrechungsfreie Stromversorgung an, kurz UPS. In unmittelbarer Umgebung befinden sich mehrere andere Anbieter von UPS-Lösungen, wodurch die Region den Übernamen "UPS-Valley" erhalten hat.
Etwas bekannter ist etwa Newave, die von 2007 bis zur Übernahme durch ABB 2012 schon an der Schweizer Börse kotiert war. Newave bildet auch den Nukleus für Centiel. So kamen die Gründer und viele der Ingenieure von dort. Darunter war auch Newave-Mitgründer Filippo Marbach. Ebenfalls Mitgründer ist Gerardo Lecuona, der die operativen Geschäfte nach dem Zusammenschluss leiten soll.
Centiel wurde offiziell 2015 gegründet und ging drei Jahre später mit dem ersten Produkt an den Markt. Seitdem ist die Belegschaft von 20 Mitarbeitenden auf rund 200 angewachsen. Der Umsatz für 2025 lag bei rund 46 Millionen Franken und der Betriebsgewinn (Ebit) betrug 10,3 Millionen. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate beträgt 30%.

Was Centiel auszeichnet

Nach eigenen Angaben grenzt sich Centiel von Firmen wie Newave dadurch ab, dass das Unternehmen die nächste Generation von modularen UPS-Geräten entwickelt hat. Diese finden in ganz unterschiedlichen Branchen Anwendung. Als Beispiele nannte Gerardo Lecuona in einer Firmenpräsentation Rechenzentren, Spitäler, Fertigung, Forschung oder auch Regierungen. Im Prinzip seien die Produkte immer dann gefragt, wenn eine verlässliche Stromversorgung für kritische Anwendungen nötig sei, so Lecuona.
Dabei gehen die Produkte von Centiel über reine Notstromlösungen hinaus. Sie sorgen etwa auch dafür, dass Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen werden. Weiter verspricht Centiel eine Ausfallzeit im Jahr, die deutlich unter der Zeitspanne eines Wimpernschlags liegt.
Seine Produkte lasse Centiel zu einem Grossteil über einen Auftragsfertiger in Italien produzieren. Im Werk bei Lugano erfolgen die finalen Tests und die Know-how-intensiven Fertigungsschritte.

Ausbau des Direktgeschäfts

Seine Produkte vertreibt Centiel zu 75% über Distributoren. Centiel liefere dabei lediglich die Hardware und die Partner übernehmen den Vertrieb, die Installation und den Service. Damit ist das Unternehmen in über 60 Ländern aktiv.
In Zukunft will Centiel aber das Direktgeschäft ausbauen. Hierbei erbringt Centiel alle Dienstleistungen selbst. Als einen Direktkunden nannte Lecuona das Forschungszentrum Cern in Genf. Aktuell ist das Unternehmen noch nicht auf dem US-Markt vertreten. Dies soll sich aber bald ändern. Man arbeite gerade daran, die Produkte für den Markt auszurichten, und habe die Suche nach einem Partner begonnen.
Centiel will auch vom KI-Boom profitieren. So rechnet das Unternehmen mit einer deutlichen Steigerung des Geschäfts in diesem Bereich, etwa durch den angekündigten starken Ausbau von Rechenzentren. Zwar lägen die Gesamtausgaben für Energieinfrastruktur bei Rechenzentren nur bei rund 5%, der Ausfallschutz mache aber wiederum die Hälfte davon aus und sei ein entscheidendes Element, um Schäden zu verhindern, sagte Lecuona weiter.
Von Christoph Grau / AWP

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