Credit Suisse setzt an der Informatik den Rotstift an

28. Juni 2022 um 10:24
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Foto: Claudio Schwarz / Unsplash

Die Grossbank will Rechenzentren schliessen und auf Multicloud setzen. Im Rahmen der Transformation steht auch ein Stellenabbau im riesigen Techteam zur Debatte.

Die kriselnde Credit Suisse führt heute ihren Investorentag durch. Die Grossbank informiert dabei neben Compliance und Wealth Management auch über ihren Technologie-Bereich. Dort will man in der Chefetage dann auch weiteres Sparpotential ausgemacht haben. Schliesslich sind die Zahlen zum Bereich, der seit knapp einem Jahr von der Informatikerin Joanne Hannaford geleitet wird, erheblich.

Die CS betreibt rund 3000 Applikationen

Gruppen-CEO Thomas Gottstein hatte bei der Ernennung der US-Amerikanerin zur Chief Technology & Operations Officer angekündigt, dass das "Engagement für Technologie als Schlüsselfaktor für den Erfolg" gelte. Das unterstrich man am Paradeplatz auch mit der Lancierung der Neobanken-Konkurrenz CSX aber auch weiterer Plattformen etwa für Aktienderivate sowie dem Umbau der Informatik der Vermögensverwaltung. Das benötigt alles Infrastruktur: Laut einer Präsentation von Hannaford betreibt die Credit Suisse 12 Rechenzentren, über 100'000 virtuelle und physische Server sowie 3000 Applikationen.
Das Budget für Technologie soll demnach 3,6 Milliarden Franken betragen. Dabei sind 1,2 Milliarden für Change-Projekte vorgesehen, während 1,6 Milliarden für das Operation Model auf On-Premises benötigt wird.

9000 Entwickler sind für die Grossbank tätig

Nun soll stark gespart werden. Zu den 200 Millionen an Einsparungen im Jahr 2023 will man bei der CS mittelfristig die Kosten um weitere 400 Millionen Franken reduzieren: Dabei sollen auch RZs geschlossen und auf eine Multi-Cloud-Strategie gesetzt werden. So wurde am Investorentag eine Zusammenarbeit mit Microsoft angesprochen. Auch in der IT-Security, wo sich seit 2020 bis Ende dieses Jahres die Ausgaben um den Faktor 1,7 erhöht haben sollen, soll gespart werden. Grosses Thema ist hier neben der Reduktion der Komplexität ein Zero-Trust-Ansatz mit mehr Kontrolle, strengerem Access-Management sowie ausgebauter Detection und Vulnerability Scannning. Die Umsetzung soll nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch die Komplexität reduzieren. Zwar stiegen die Ausgaben, aber man erhoffe sich Potenziale der Automatisierung freizusetzen, hiess es am Investorentag.
Im Technologie-Team inklusive Operations zählt Hannaford 14'400 Beschäftigte sowie 14'300 externe Angestellte. Der grösste Teil davon arbeitet in Indien und anderen Tieflohn-Standorten. Dahinter folgt bereits die Schweiz. Laut Präsentation beschäftigt die Credit Suisse über 4500 interne Entwickler plus nochmals 4600 externe. Welche Auswirkungen die angekündigten Massnahmen auf diese haben, steht noch nicht fest, unter dem Begriff "Vereinfachung" ist bei Hannaford von einer "Optimierung der Beschäftigten-Strategie" die Rede.
Korrigendum und Update 14.15: In einer ersten Version war die Rede von Einsparungen in der Höhe von 200 Milliarden Franken, natürlich geht es um Millionen. Das wurde angepasst. Zudem wurde der Text mit Passagen der Nachrichtenagentur Keystone-sda vom Investorentag ergänzt.

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