Die Konsolidierung im Schweizer Hostingmarkt ist augenscheinlich. Allein im Januar sind 3 Anbieter aufgekauft worden:
Hoststar,
Metanet und
Webland. David Burkardt ist Gründer und CEO von Cyon und kennt die Branche seit fast 20 Jahren. Im Interview sagt er, warum die Zukäufe ausgerechnet jetzt passieren, weshalb er selbst noch nicht verkauft hat und was seine Firma in den nächsten Monaten auf der Roadmap hat.
Was ist der Grund, dass die Akquisen genau jetzt passieren?
Konsolidierung findet in unserer Branche global gesehen schon lange statt. In der Schweiz ist das tatsächlich eher neu. Der Zeitpunkt ist aber Zufall. Dass es hier später passiert, liegt auch an der Komplexität des Marktes: andere Währung, andere Gesetzgebung oder die verschiedenen Sprachen. Das kann abschreckend sein.
Ist der Schweizer Markt attraktiver als andere oder warum wollen sich internationale Hoster trotz der Komplexität hier niederlassen?
In anderen Märkten ist die Konsolidierung wie gesagt schon weiter fortgeschritten und die Kuchenstücke werden kleiner. Weiter sind in der Schweiz die Preise stabiler als beispielsweise in Deutschland, wo ein stärkerer Preiskampf herrscht.
Also ist es einfacher, hier gute Margen zu erzielen?
Nicht unbedingt. Aufgrund der höheren Produktions-, Lohn- und Betriebskosten gleicht sich das in etwa aus. Es kommt auch auf die Positionierung im Markt an, hier lässt sich nicht automatisch mehr holen.
Was bedeutet es für Kundinnen und Kunden, wenn ihr Hoster übernommen wird? Vermutlich geht es nicht ewig gleich weiter wie vorher.
Es steht und fällt mit der Reaktion der Teams der betroffenen Hoster. Bleiben die Schlüsselmitarbeitenden oder passt ihnen die neue Konstellation nicht mehr? Und wie gut gelingt es den ausländischen Gruppen, auf die Bedürfnisse der hiesigen Kundschaft einzugehen? Es dauert seine Zeit, bis Kundinnen und Kunden die Übernahme spüren.
Im Bereich Filehosting wird man von Cyon hören
Welchen Einfluss hat die Konsolidierung auf die Branche?
Die Gruppen, die in der Schweiz zukaufen, haben viel Kapital zu Verfügung. Es ist anzunehmen, dass versucht wird, die Marktposition zu verbessern. Der Kampf um Sichtbarkeit könnte für die übriggebliebenen Hoster intensiver werden. Diese haben dafür die Chance, sich durch andere Werte zu positionieren.
Wie zum Beispiel?
Durch den Standort, die Nähe zum Kunden oder durch Innovation. Wer übernommen wird, ist erstmal eine Zeitlang mit sich selbst beschäftigt.
Wachstum lässt sich in erster Linie über den Preis erzielen, ist das korrekt?
Das ist ein möglicher Hebel, aber unterschiedliche Preissegmente gibts schon lange. Qualität ist genauso wichtig. Wir positionieren uns nicht als Billiganbieter und sehen trotzdem ein gesundes Wachstum. Ausserdem sind die technischen Hürden für den Wechsel eines Hosters nicht gerade tief.
Sie haben es gesagt: Die übernommenen Anbieter müssen zu sich selbst schauen und Innovation ist ein mögliches Differenzierungsmerkmal: Also, was kommt neues?
Wir haben viele gute Ideen und einige neue Produkte auf der Roadmap, dies aber unabhängig vom Geschehen in der Branche. Die Akquisen haben keinen Einfluss auf unsere Strategie.
Nun, was sind denn die 3 besten Ideen, die auf der Roadmap sind?
Unsere Roadmap ist immer eine Überraschung. Aber in den nächsten Monaten ist von uns einiges zu erwarten.
Ich frage anders: Wieso gibt es bei Cyon nur dediziertes Hosting, aber kein vergleichbares Angebot wie zum Beispiel von AWS, bei dem nur nach Datenverkehr und Speicherplatz abgerechnet wird?
Das ist eine Frage der Zielgruppe, diese Angebote sind sehr komplex und nicht günstig. Website-Betreiber finden bei uns die richtigen Angebote. Ein Geschäftsfeld für Filehosting und dergleichen haben wir noch nicht erschlossen.
Noch nicht, das heisst?
Wir haben auch noch zwei, drei andere Ideen in der Pipeline, aber sag niemals nie.
Bei Übernahmen werden zweistellige Millionenbeträge gezahlt
Könnte es auch ein Margenproblem sein, dass es kein entsprechendes Angebot gibt? Rechnet es sich bei einer kleinen Kundenzahl einfach nicht?
Die nötigen Investitionen in diese Märkte sind enorm und es gibt mit Amazon, Google oder Microsoft schon gigantische Player. Das ist zwar eine Herausforderung, aber wir sehen viele attraktive Nischen.
Aber wo sollen denn KMU ihre Daten sinnvollerweise speichern, wenn sie eine Public Cloud möchten, aber vorzugsweise nicht im Ausland? Es gibt kaum Schweizer Anbieter und ich frage mich weshalb.
Noch nicht, noch nicht. Was die Speicherung von Daten angeht, wird man in den nächsten Monaten von uns hören.
Gabs für Cyon in der Vergangenheit auch Übernahmeagebote?
Viele. Einmal im Monat bin ich sicher mit dem Thema beschäftigt.
Waren das dieselben Gruppen, die im Schweizer Markt schon zugekauft haben oder andere?
Beides.
Die Preiserhöhung von Switch ist legitim
Aus welchem Grund haben Sie bis dato abgelehnt? Waren die Angebote zu tief?
Ich bin bislang noch gar nie so weit gegangen, dass es zu einem konkreten Angebot gekommen wäre. Aber man kriegt natürlich mit, welche Preise aktuell gezahlt werden und das zeigt, dass der Markt heiss ist.
Welche Summen kann man sich da vorstellen, die für einen mittelgrossen Hoster bezahlt werden?
Zweistellige Millionenbeträge.
Wenn Sie offenbar nicht verkaufen wollen, geht die Konsolidierung in die andere Richtung weiter?
Definitiv ziehen wir auch in Betracht, anorganisch zu wachsen. Der Markt ist aber ziemlich ausgetrocknet, es gibt nicht mehr so viele grosse Anbieter, die attraktiv sind.
Ein aktuelles Thema ist die Preiserhöhung der Stiftung Switch. Diese ist meiner Ansicht nach eine Strafe für faule Hoster, die nicht auf DNSSEC umstellen wollen.
Das ist korrekt. Ziel ist es, Datensicherheit in der Schweiz zu erhöhen. Eine legitime Strategie.
Nächstes Jahr feiern Sie 20-jähriges Jubiläum. Wie blicken Sie auf die Gründung im Jahr 2003 zurück?
Ursprünglich gründete ich die Firma mit der Absicht, mein Chemiestudium zu finanzieren. Und selbst in meinen kühnsten Träumen rechnete ich nicht mit dem, was heute daraus geworden ist.
Aber auch nach 20 Jahren weiss niemand, wie man den Firmennamen richtig ausspricht. Würden Sie rückblickend gesehen einen anderen wählen?
(lacht) Ja, das würde ich wohl in der Tat. Den wählte ich damals aus jugendlichem Leichtsinn. Wir haben uns auch schon Gedanken gemacht, was eine Namensänderung für Konsequenzen hätte. Aber er ist schon auch cool, kurz und anders als bei vielen anderen kommt "Host" nicht darin vor.
Zur Person
David Burkardt (39) gründete 2003 den Hosting-Provider Cyon mit Sitz in Basel. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben heute 53 Mitarbeitende und betreut über 45'000 Kunden.