Einem Bericht der 'Financial Times' zufolge hat Apple seine Bemühungen zur Entwicklung einer eigenen Suchtechnologie für iPhones stillschweigend verstärkt. Dies weil die US-Regulierungsbehörden die Multimilliarden-Dollar-Summen überprüft, die Google jedes Jahr zahlt, um sicherzustellen, dass die eigene Suchmaschine als Standard-Tool auf dem iPhone installiert wird.
Auslöser des Berichts war eine bis anhin wenig beachtete Änderung an der neuesten Version von iOS 14. Mit der Funktion "Today View" hat Apple damit begonnen, seine eigenen Suchergebnisse anzuzeigen und direkt zu Websites zu verlinken, wenn User Anfragen über den Startbildschirm eingeben.
Diese Web-Suchfunktion stellt einen sichtbaren, also wichtigen Fortschritt in Apples hauseigener Entwicklung dar, und sie könnte die Basis für einen umfassenderen Angriff auf Google bilden, so mehrere Tech-Experten in der Zeitung.
Zudem würde "Apple Search" eine Alternative zur Google-Suche bieten, falls die US-Behörden entscheiden sollten, die Partnerschaft Apple-Google zu blockieren.
Apple lehnte
auf Anfrage der 'Financial Times' (Paywall) eine Stellungnahme ab. Aber Medien und Experten haben weitere Indizien, die für ein Apple-Search-Projekt sprechen.
Die Zeitung zitiert Suchmaschinen-Marketingexperten, die sagen, dass der "Applebot" des Unternehmens - ein Web-Crawler, der zum Aufbau einer Datenbank mit Online-Material verwendet wird - in letzter Zeit aktiver geworden sei.
Zudem hat Apple in den letzten Jahren eine Reihe von Suchtechnologie-Experten rekrutiert. So heuerte im April 2018 John Giannandrea, Chef der Google-Suche in Cupertino an. Zudem habe die Firma viele Stellenanzeigen für Suchmaschinen-Entwickler geschaltet in denen Kandidaten aufgefordert werden, "die Architektur von Apples bahnbrechender Suchtechnologie zu definieren und zu implementieren".
"Sie [Apple] haben ein glaubwürdiges Team, das meiner Meinung nach die Erfahrung und die Tiefe hat, um, wenn sie wollten, eine allgemeinere Suchmaschine aufzubauen", sagte Bill Coughran, Googles ehemaliger Chefingenieur, heute ein Partner beim Silicon-Valley-Investor Sequoia Capital, der Zeitung.
Es könnte Jahre dauern, einen echten Konkurrenten für die Suchmaschine Google aufzubauen, und ob der Rückstand auf Google einholbar ist, will niemand prognostizieren. Aber mit den für 2020 prognostizierten Gewinnen von mehr als 55 Milliarden Dollar und einem Nettobargeldbestand von 81 Milliarden Dollar kann Apple es sich leisten, langfristige Investitionen zu tätigen.
Apple hat in der Vergangenheit stets versucht, die wichtigsten Komponenten seiner Produkte zu besitzen und zu kontrollieren. Die Google-Suche war bis anhin die Ausnahme in der Firmenstrategie.