DSAG fordert Roadmaps statt KI-Visionen

6. Oktober 2026 um 14:36
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Vorstandsvorsitzender Jens Hungershausen. Foto: DSAG

Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe fordert vom Softwarehersteller SAP speziell im Hinblick auf KI-Anwendungen belastbare Roadmaps statt Visionen.

Der Softwarekonzern SAP hat im Mai dieses Jahres seine Vision des autonomen Unternehmens vorgestellt. In dem "Autonomous Enterprise" soll künftig Künstliche Intelligenz die Geschäftsprozesse managen, anstatt die Ergebnisse menschlicher Arbeit zu erfassen. Der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) zufolge ist dies der richtige Weg. Allerdings fehlten bis anhin verlässliche Angaben zu Markteinführung und Umsetzungsplänen, so der DSAG-Vorstandsvorsitzende Jens Hungershausen.
Parallel zum derzeit stattfindenden Jahreskongress der DSAG hat SAP geliefert: An der Hausmesse "SAP Connect" konkretisiert der Konzern, wie er die Vision in die Realität umsetzen will. Und hat auch gleich mit Nestlé und Novartis zwei Schweizer Unternehmen genannt, die dabei an Bord sind.
Hungershausen gab sich jedoch unbeeindruckt: "Die Technologie dafür ist vorhanden. Zwischen Vision, verfügbaren Lösungen und tatsächlichem Kundennutzen besteht jedoch noch eine Lücke." Für die Unternehmen sei es nicht entscheidend, wie gross das nächste Innovationsversprechen ausfällt, sondern welche Lösungen sich produktiv, sicher und wirtschaftlich einsetzen lassen.
Die DSAG-Mitgliedsunternehmen würden sich heute mehrheitlich bei KI mit Lösungen helfen, die nicht aus dem Hause SAP stammen, so der Vorstandsvorsitzende. Für weitere Investitionsentscheidungen benötigten Unternehmen Klarheit darüber, welche SAP-Lösungen verfügbar sind, welchen Reifegrad sie haben und unter welchen Voraussetzungen sie produktiv eingesetzt werden können. "Bei aller technologischen Dynamik braucht es einen Abgleich mit der betrieblichen Realität", betonte Hungershausen.

KI nur mit Cloud-Vertrag

Die betriebliche Realität besteht in einer Vielzahl der Unternehmen noch aus einer lokalen Infrastruktur für das ERP. Noch 54% setzen auf das SAP ECC respektive die Business Suite, ergab eine Umfrage der DSAG im Frühjahr. Firmen mit On-Premises-Installationen bleiben Innovationen wie KI grösstenteils vorenthalten, hatte es lange geheissen. Laut Hungershausen genüge es nicht, dieser Kundengruppe im Rahmen von Migrationsverträgen wie "Grow with SAP" oder "Rise with SAP" ausgewählte KI-Szenarien bereitzustellen.
Die Innovationen sollten zumindest für S/4Hana-On-Premises-Kunden verfügbar sein und dürften nicht an Cloud-Verträge gebunden werden, forderte er. "Vor dem Hintergrund der Wartungszusage von SAP für S/4Hana bis 2040 muss der Schutz bereits getätigter Investitionen gewährleistet werden", so der scheidende DSAG-Vorsitzende. Aus seiner Sicht müssten Unternehmen nachvollziehen können, welche Funktionen in welchem Betriebsmodell verfügbar seien, welche Abhängigkeiten entstünden und wie sich Kosten über den gesamten Transformationszeitraum entwickeln würden.

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