Die Rechenzentren in der Schweiz könnten fast 38% ihres gesamten Stromverbrauchs einsparen. Davon geht eine Studie von Energie Schweiz im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE) aus. Etwa 60% des geschätzten Potenzials könnte im Bereich IT realisiert werden. Viele Infrastrukturmassnahmen würden bereits eingesetzt, darunter effizientere Kühlsysteme, höhere Betriebstemperaturen und der Einsatz energieeffizienter Hardware. Das BFE beabsichtigt gemäss der Mitteilung, den Verbrauch und die Effizienz von Rechenzentren in den nächsten Jahren verstärkt zu überwachen.
Der Stromverbrauch von Rechenzentren in der Schweiz lag im Jahr 2024 bei 2,1 Terawattstunden (TWh), was ungefähr 3,6% des Gesamtverbrauchs ausmachte. Seit der letzten Erhebung im Jahr 2019 sei der Verbrauch im Jahresdurchschnitt um 3,4% gestiegen.
Dabei zeigen sich Unterschiede: Während der Verbrauch vieler unternehmensinterner Rechenzentren (56% des Verbrauchs) stagnierte, wurde bei den grossen kommerziellen Rechenzentren (44% des Verbrauchs) eine Zunahme verzeichnet. Das hänge damit zusammen, dass Unternehmen IT-Anwendungen vermehrt in die Cloud oder an spezialisierte Anbieter auslagerten.
Prognosen und Rolle von KI
Laut Bericht wird ein Anstieg des Gesamtstromverbrauchs bis 2030 auf 2,5 bis 3,2 TWh erwartet. In einem maximalen Szenario gehen die Autoren von 3,5 TWh aus, was mehr als eine Verdopplung entspricht.
Künstliche Intelligenz spielt laut Studienautoren in der Schweiz aus energetischer Sicht eine untergeordnete Rolle. Grosses Modelltraining finde im Inland kaum statt. Nur die ETH-Zürich betreibt den
KI-Supercomputer "Alps" am Swiss National Supercomputing Centre (CSCS) in Lugano. Treiber des Anstiegs bei kommerziellen RZ sei primär die Migration von internen RZ hin zu Colocation RZ und in die Cloud, was eine Stabilisierung bis hin zu einer leichten Reduktion bei den unternehmensinternen RZ ermögliche.
Stellungnahme des Dachverbands
Der Dachverband Swiss Datacenter Association (SDCA) äussert sich zur Studie des BFE. Diese sei eine "wichtige Grundlage für eine faktenbasierte Debatte." Der Stromverbrauch von RZ sei von 2019 bis 2024 zwar gestiegen, aber nicht proportional im Mass zum Anstieg des Datenvolumens. Was in der Gesamtstatistik wie Wachstum erscheine, sei zu einem wesentlichen Teil Konsolidierung. Der Dachverband verweist dabei auf den stagnierenden oder sinkenden Verbrauch von internen Rechenzentren, den die Studie beschreibt.
Die Effizienzgewinne durch Massnahmen wie Warm-Kaltgang-Trennung, höhere Betriebstemperaturen und Free Cooling seien bei PUE-Werten im Segment beobachtbar. Der PUE-Wert misst das Verhältnis von Gesamtenergieverbrauch zum IT-Energieverbrauch, wobei 1 ein idealer Wert ist. Laut dem SDCA würden diese bei professionellen Anbietern häufig unter 1,2 liegen. Bei unternehmensinternen Rechenzentren bestehe hingegen noch deutlich mehr Verbesserungspotenzial
SDCA-Präsident
Roger Süess sagt zum Bericht: "Die BFE-Studie zeigt ein deutlich nüchterneres Bild, als viele Schlagzeilen vermuten lassen. Schweizer Rechenzentren stehen nicht für einen unkontrollierten Stromanstieg, sondern für professionelle, zunehmend effiziente digitale Infrastruktur. Wer die Zahlen im Verhältnis zum Gesamtstromverbrauch und zu den erzielten Effizienzgewinnen liest, erkennt: Der Standort Schweiz kann Digitalisierung und Energieeffizienz sehr wohl zusammenbringen".
mit Material von Keystone-sda