Der Crash der Kryptobörse FTX beschäftigt nicht nur das US-Bundesgericht in New York, sondern auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Die Dachorganisation der wichtigsten Zentralbanken hat ein Papier veröffentlicht, in dem verschiedene Massnahmen vorgeschlagen werden. Dazu gehören die Eindämmung oder Regulierung des Kryptosektors – aber auch ein Verbot.
Der Umgang mit Risiken sei nach der Pleitewelle zu einer dringenden politischen Frage geworden, schreiben die drei Autoren, darunter Andreas Schrimpf, Head of Financial Markets bei der BIZ. Man müsse nun reagieren, bevor die Kryptomärkte zu einem systemischen Risiko würden – also die traditionelle Finanzwelt mit in den Abgrund zu zerren drohen. Das könne passieren, wenn das Interesse von Anlegern nicht nachlasse.
Kurz nach der Veröffentlichung der BIZ erschüttert bereits die nächste Pleite die Kryptowelt: Die Börse Genesis hat in den USA für einige Gesellschaften Antrag auf Gläubigerschutz gestellt. Die Muttergesellschaft zählt rund 100’000 Gläubiger, die 50 grössten ungesicherte Forderungen sollen sich auf 3,4 Milliarden Dollar summieren. Dies berichtet
'Bloomberg'. Das übersteigt sogar das Volumen, das FTX seinen wichtigsten Gläubigern schuldig ist.
Isolation, Regulation, Verbot
Das dürfte dem Forderungskatalog aus Basel nochmals Dringlichkeit verschaffen. Um die traditionelle Finanzwelt vor Verwerfungen zu schützen, erwägen die BIZ-Autoren eine Isolierung der Kryptowelt. Zudem könne der Sektor stärker reguliert werden, halten sie fest. Und zu guter Letzt halten sie die letzte Option offen: ein Verbot bestimmter Krypto-Aktivitäten.
Isolierung würde Krypto zu einem Nischenmarkt degradieren. Allerdings sei eine "Firewall" nicht undurchlässig und aufgrund der hohen Komplexität schwer zu implementieren, argumentieren die Autoren. Eine Regulierung müsse sich ebenfalls mit der komplexen Krypto-Landschaft herumschlagen, ein erster Ansatzpunkt seien die De-facto-Anbieter der Protokolle von Decentraliced Finance (DeFi).
Die Autoren verpassen den Anhängern eines reinen DeFi-Systems eine Abfuhr: Es habe sich gezeigt, dass die Dezentralisierung eine Illusion sei. Ein Finanzmarkt ohne zentrale Intermediäre könne nicht funktionieren und sei faktisch auch nicht Realität, halten die Autoren im Paper fest.
Zentralbanken sollen mit CBDCs vorwärts machen
Ein Verbot von Kryptoaktivitäten sei eine extreme Massnahme, heisst es im Papier weiter. Vor allem das Abwürgen von Innovationen sehen die BIZ-Forscher als problematisch an. Zudem wäre auch ein Bann aufgrund der internationalen Vernetzung der Systeme und den Ausweichmöglichkeiten auf weniger regulierte Länder schwierig.
Angesichts der Fallstricke empfehlen die Autoren, die Entwicklung von digitalem Zentralbankgeld (CBDCs) zu beschleunigen und die Kosten von Transaktionen zu senken, während deren Geschwindigkeit zu erhöhen werde. Rund um den Globus testen derzeit verschiedene Zentralbanken diese Möglichkeiten.
Das BIS Bulletin
(PDF), in dem der Text abgedruckt ist, kann von der Website der BIZ heruntergeladen werden. Es handelt sich um einen Vorschlag aus der Forschungsabteilung der Dachorganisationen der Zentralbanken. Dennoch zeigt er, dass man das Thema dort mit Dringlichkeit behandelt.