Heftige Kritik an Broadcom reisst nicht ab

23. April 2024 um 09:10
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Illustration: Erstellt durch inside-it.ch mit Midjourney

Der Verband CISPE zeigt sich von den jüngsten Zugeständnissen des Broadcom-CEOs unbeeindruckt. Die Probleme nach der VMware-Übernahme blieben bestehen.

Der europäische Cloud-Betreiberverband CISPE lehnt die Änderungen von Broadcom an seinen Cloud-Lizenzierungspraktiken ab. Nach der immer lauter werdenden Kritik im Zuge der VMware-Übernahme hatte Broadcom-CEO Hock Tan vergangene Woche in einem Blogpost Zugeständnisse gemacht. Unter anderem werde man Kunden zeitlich unbegrenzte Lizenzen für vSphere ermöglichen und das Partnerprogramm Broadcom Advantage ausweiten.
Das Abonnement-Lizenzmodell sei noch nie das Problem gewesen, schreibt CISPE-Generalsekretär Francisco Mingorance in einer Stellungnahme. "Was die wirtschaftliche Lebensfähigkeit vieler Kunden von in Europa genutzten Cloud-Diensten bedroht, sind die massiven und ungerechtfertigten Preis­er­höhungen, die erneute Bündelung von Produkten, veränderte Abrechnungs­grund­lagen und die Auferlegung unfairer Software-Lizenzbedingungen, die die Auswahl einschränken und zu einem Lock-in von Kunden und Partnern führen."

"Anti-Cloud-Bedingungen"

Die neuen Bedingungen von Broadcom seien im Wesentlichen "Anti-Cloud-Bedingungen", erneuert der Verband seine bereits früher vorgebrachte Kritik. Sie würden Partner dazu zwingen, sich für Virtualisierungskapazitäten zu verpflichten und im Voraus dafür zu bezahlen, obwohl sie diese möglicher­weise nie benötigen.
Neben CISPE haben sich auch andere Userverbände wie Beltug (Belgien), Cigref (Frankreich), CIO Platform (Holland) und Voice Germany mit Beschwerden gegen Broadcom an die EU gewendet. In der Schweiz sind Anbieter ebenso wenig begeistert von den Änderungen im Partnerprogramm und befürchten Preiserhöhungen.

Broadcom wolle bloss vom Ärger ablenken

"Broadcom hat einige sehr geringfügige Zugeständnisse verkündet, als Beweis dafür, dass das Unternehmen auf die Bedenken des Marktes hört", so Mingorance. Man habe jedoch den Eindruck, dass dieser "unbefriedigende Versuch" bloss vom Ärger ablenken soll und durch den Request for Information ausgelöst wurde, den die Europäische Kommission an Broadcom gerichtet hat.
Die EU-Kommission hat Fragen zu den neuen Lizenzpraktiken an Broadcom geschickt. Die Antworten dürften entscheiden, ob die EU danach eine formelle Untersuchung eröffnet. CISPE begrüsst das Engagement der Wettbewerbshüter. "Wir fordern die Europäische Kommission und andere mächtige Regulierungsbehörden auf, jetzt zu handeln, um dieser Flut von Missbrauch Einhalt zu gebieten, die Europas Umstellung auf die Cloud und das digitale Wachstum schadet. Jetzt sind formelle Untersuchungen erforderlich", schliesst die Stellungnahme.

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