"White-Label-Programm von Broadcom ist keine nachhaltige Lösung"

21. März 2024 um 14:19
  • channel
  • Broadcom
  • VMware
  • umb
  • cyberlink
  • iWay
image
Illustration: Erstellt durch inside-it.ch mit Dall-E / GPT-4

Nach der Übernahme von VMware änderte Broadcom das Partnerprogramm. Für kleinere Provider gibt es eine Alternative. Schweizer Anbieter sind wenig begeistert und erwarten höhere Lizenzpreise.

Es sind dramatische Worte, die kleinere Cloud-Provider wählten: Über den Branchenverband CISPE liessen sie verlauten, dass sie bald bankrottgehen werden, wenn sie keine VMware-Produkte mehr lizenzieren und anbieten könnten.
Dass das Broadcom selbst stört, wäre übertrieben zu behaupten. CEO Hock Tan schrieb lediglich, dass er "ein Unbehagen der Kunden und Partner" feststelle. Vor wenigen Tagen kündigte Tan jedoch Besserung an und schrieb in einem Blogpost, man habe "entschlossen gehandelt, um den Kundennutzen zu steigern".

Ab April nur noch indirekte Lizenzen

Mindestens ein Teilergebnis dessen wird nun sichtbar. Wie 'The Register' berichtet, hat Broadcom ein White-Label-Programm lanciert, das kleinere Cloud-Provider ansprechen soll, die die Partnerrichtlinien von Broadcom nicht mehr erfüllen. Diese können ihre Lizenzen neu über einen Broadcom-Partner beziehen, statt wie bisher direkt über VMware.
Und plötzlich pressierts: Die früheren Programme und Verträge laufen Ende März 2024 aus und das neue White-Label-Angebot gilt ab dem 1. April. Das bestätigen mehrere Schweizer Anbieter unabhängig voneinander.

Grosse Verunsicherung am Markt

Auf Anfrage von inside-it.ch erklären Cyberlink und UMB, dass sie über diese neuen Optionen informiert worden seien. "Die Informationen kamen aber nur häppchenweise. Vieles ist selbst zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar", präzisiert Marc Zimmermann, Head of Cloud Services bei UMB. Die Kommunikation und die Informationsbeschaffung gestalte sich aufgrund der vielen personellen Wechsel bei Broadcom-VMware "nicht immer einfach", so Zimmermann.
image
Cyberlink-CEO Thomas Knüsel
Thomas Knüsel, CEO von Cyberlink, schreibt von einer "grossen Verunsicherung, die den Markt prägt". Viele Marktteilnehmer seien aktuell daran, ihre strategische Ausrichtung abzuwägen,, auch Cyberlink selbst. "Tatsache ist, dass sich das neue Cloud-Service-Provider-Programm (VCSP) stark vom bisherigen Cloud-Providers-Programm (VCPP) unterscheidet, und das leider zu Ungunsten fast aller Partner", so Knüsel.
Bislang sei das Modell immer skalierbar gewesen, neu bezahle man anhand der auf der Plattform installierten physischen Cores – "unabhängig von der Auslastung". Knüsel ergänzt, dass es die Mindestmenge von 3500 Cores für die meisten Partner fast unmöglich mache, "vergleichbare Preise anzubieten". Für Cyberlink selbst ändert sich vorerst nichts. "Bis Ende 2024 haben wir die Möglichkeit, unsere Lizenzen zu unveränderten Konditionen zu beziehen", schreibt Knüsel. Dieser Vorteil würde auch an die Kunden weitergegeben.

Lizenzpreise könnten teurer werden

image
iWay-CEO Markus Vetterli
Markus Vetterli, CEO von iWay, erhielt dagegen gar keine Informationen zu einem "speziellen Programm für kleinere Provider". Sie seien lediglich darüber informiert worden, "dass wir nicht mehr direkt bei VMware beziehen können, sondern nur noch über Premier- oder Pinnacle-Partner". Vetterli geht davon aus, dass durch die Umstellung "die Lizenzpreise steigen". Trete dieser Fall tatsächlich ein, müsse man eine andere Lösung suchen.
image
Marc Zimmermann, Head of Cloud Services bei UMB
Damit ist iWay ein potenzieller Kunde von UMB: Wir wollen für den Schweizer Markt ein "ein White Label-Angebot für diejenigen Service Provider erstellen, welche nicht über die nötigen Voraussetzungen verfügen", erklärt UMBs Cloud-Chef Zimmermann. Für diese ergeben sich aber Änderungen: "So können beispielsweise keine Support Cases mehr bei VMware direkt eröffnet werden, sondern müssen über uns als White-Label-Anbieter gemacht werden." Man versuche aber Modelle zu finden, welche den Bedürfnissen der Provider gerecht werden.
Das neue White-Label-Programm werde zwar "für viele Partner die einzige plausible Option sein, aber keine nachhaltige Lösung darstellen", sagt Cyberlink-CEO Thomas Knüsel voraus. Der Fokus von Broadcom auf Corporate Clients werde den Markt spürbar verändern.

Möchten Sie uns unterstützen?

Inside IT steht für unabhängigen und qualitativ hochwertigen Journalismus. Unsere Inhalte sind kostenlos verfügbar und bleiben dies auch weiterhin. Umso mehr würden wir uns freuen, wenn Sie unsere Arbeit und unsere Recherchen mit einem Betrag Ihrer Wahl unterstützen. Vielen Dank!
Jetzt unterstützen



Loading

Mehr erfahren

Mehr zum Thema

image

BSI kauft österreichisches Fintech

Mit der Übernahme von Riskine will der Schweizer Softwarehersteller im Ausland weiter Fuss fassen. In Österreich entsteht ein neuer Standort.

publiziert am 15.5.2024
image

Adnovum-Umsatz stagniert

Das Schweizer Software-Unternehmen hat trotzdem wieder zusätzliches Personal eingestellt und meldet eine hohe Nachfrage im Security-Bereich.

publiziert am 15.5.2024
image

AWS und Microsoft investieren Milliarden in Europa

Es fliessen viele Big-Tech-Milliarden nach Deutschland und Frankreich. Auch die Schweiz geht nicht leer aus.

publiziert am 15.5.2024
image

Softwareone steigert Umsatz und Gewinn

Im ersten Quartal 2024 konnte der Stanser IT-Dienstleister gute Zahlen präsentieren. Ein Verkauf des Unternehmens an Bain Capital wird wahrscheinlicher.

publiziert am 15.5.2024