Der Berner Regierungsrat hat beim Grossen Rat einen Kredit von 52 Millionen Franken für ein neues IT-Programm beantragt. Das neue Fallführungssystem (NFFS) im Kanton Bern soll bei den Sozialdiensten, bei den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) und in der Arbeitsintegration eingesetzt werden.
Heute werden im Kanton in diesen Bereichen unterschiedliche Fallführungssysteme genutzt, wie der Regierungsrat schreibt. Die Systemlandschaft sei sehr heterogen und es gebe keine einheitliche Fallführung.
Mit dem NFFS möchten die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion und die Direktion für Inneres und Justiz ein konsolidiertes System beschaffen und einführen. Damit sollen Abläufe vereinfacht und standardisiert werden, gleichzeitig strebt der Kanton eine bessere Übersicht über die Sozialhilfe und den Kindes- und Erwachsenenschutz an.
Das Programm "Neues Fallführungssystem im Kanton Bern NFFS" soll 2028 abgeschlossen werden. In einem Informationsschreiben von Anfang 2023 heisst es: "NFFS hat einen hohen Investitionsbedarf. Auch wenn die Wirtschaftlichkeit klar ausgewiesen wird, besteht das Risiko, dass der Grosse Rat dem Investitionskredit nicht zustimmt." Die Mehrheit der Sozialdienste habe sich 2019
für ein neues System ausgesprochen, heisst es vom Kanton weiter. Dennoch bestehe – wie so häufig in IT-Projekten – das Risiko, dass NFFS nicht von allen Stakeholdern akzeptiert werde.
Glaux Soft und Bedag Informatik
Heute belaufen sich die Betriebskosten der Fallführungssysteme laut dem Kanton auf jährlich 6,5 Millionen Franken. Mit dem einheitlichen System sollen der administrative Aufwand und die ICT-Betriebskosten gesenkt werden. Als Betreiber ist Bedag Informatik vorgesehen. Softwarehersteller ist Glaux Soft. Das Unternehmen hat im Mai nach einer öffentlichen Ausschreibung den Zuschlag über
knapp 30 Millionen Franken erhalten.
Kanton trägt Kosten für die Migration
Mit dem NFFS würden vor allem die Gemeinden finanziell entlastet, so die Mitteilung der Regierung. Die Investitions- und Betriebskosten für die Realisierung und Einführung von NFFS sollen vollumfänglich durch den Kanton getragen werden. Dieser soll auch einen Grossteil der Kosten für die Migration übernehmen. Nach dem Programmabschluss wollen sich die Gemeinden und der Kanton die Kosten für den IT-Betrieb teilen.
Sofern der Kredit genehmigt wird, soll im Jahr 2024 mit der Bereitstellung des neuen Systems begonnen werden. Die Einführung bei allen Organisationen ist für die Jahre 2025 bis 2027 geplant. 2028 schliesslich sollen alle 85 Organisationen mit dem neuen NFFS arbeiten.