Gleich zwei Umfragen unter Cybersecurity-Fachleuten machen dem Nachwuchs wenig Hoffnung auf einen problemlosen Berufseinstieg. Denn Künstliche Intelligenz übernimmt je länger, je mehr die Aufgaben der Juniors. Parallel wächst die Nachfrage nach Fachkräften im Bereich Cybersecurity ungebrochen.
Dem Report des AI Workforce Consortiums zufolge benötigen Cybersecurity-Fachkräfte mehr als nur technische Skills. Mitarbeitende müssten heute seltener selbst KI-Modelle entwickeln, sondern diese stärker steuern und prüfen. Entsprechend seien mehr ethisches Urteilsvermögen (+533% im Jahresvergleich), systemisches Denken (+251%) und Stakeholder-Management (+125%) gefordert. Ferner habe sich die Zahl der Stellenausschreibungen für Cybersecurity-Fachkräfte mit expliziten KI-Kompetenzen weltweit gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.
Allerdings gelten die rosigen Jobperspektiven laut dem Report nicht für alle Fachkräfte. Die Zahl der Ausschreibungen für Positionen mit Senior-Titel sei im Zeitraum von Oktober 2025 bis März 2026 zwar um 65% gestiegen. Demgegenüber stehe ein Wachstum von lediglich 5,9% bei Junior-Stellen. Diese Daten würden jedoch auch ein Umdenken erfordern, wie die nächste Generation ausgebildet werde, so das AI Workforce Consortium.
Schweizer Juniors fehlen KI-Kompetenzen
Der Netzwerkausrüster Cisco hat in einer eigenen Befragung auch gut 200 Schweizer Fachleute aus dem Bereich Cybersicherheit befragt. Sie kommen zu ähnlichen Ergebnissen wie der Report des Consortiums: Den Berufseinsteigerinnen und -einsteigern fehlen insbesondere die praktische Erfahrung mit KI-Agenten (51%), technische Tiefe (42%) sowie Skills wie kritisches Denken (39%). Gleichzeitig sagen 39% der Befragten, dass im Bereich Security vor allem in die KI-gestützte Automatisierung von Cybersecurity-Lösungen investiert werden soll. Damit hätten es die Junior-Positionen noch schwerer, so Cisco.
"KI-gestützte Automatisierung unterstützt, vereinfacht und erweitert, was Security-Expertinnen und Experten leisten können. Ihr volles Potenzial entfaltet sie aber erst durch Menschen, die sie kompetent kontrollieren und steuern", so Christopher Tighe, General Manager Cisco Schweiz. "Als Wirtschaftsstandort müssen wir deshalb genauso konsequent in Aus- und Weiterbildung investieren, wie in die Technologie selbst."
Zusätzlich sollten Studierende über Praktika, Ausbildungsplätze und geförderte Projekte schon vor dem Berufseinstieg praktische Erfahrungen sammeln, schlägt der Cisco-Manager vor. Ausserdem brauche es bei der Personalauswahl einen Perspektivwechsel: weg von der einseitigen Orientierung an Berufserfahrung, hin zu einer kompetenzbasierten und vorausschauenden Betrachtung der Potenziale von Einsteigerinnen und Einsteigern, so Tighe.