"Liebe Anbieterin, Sie haben nur orange, Ihre Konkurrenz hat grün"

25. August 2022 um 11:26
  • politik & wirtschaft
  • e-government
  • beschaffung
  • cloud
  • bund
image
Foto: Jasper Gribble / Unsplash

An der Beschaffungskonferenz in Bern äusserte sich die Bundeskanzlei zur Public-Cloud-Vergabe. Sie habe die Hyperscaler gegeneinander "ausgespielt".

An der Beschaffungskonferenz in Bern war erneut die Public-Cloud-Vergabe des Bundes ein Thema. Wir erinnern uns: Im Juni 2021 wurde ein Zuschlag an die 5 Hyperscaler Alibaba, AWS, IBM, Microsoft und Oracle vergeben. Bei der Bundesverwaltung hat die Beschaffung den Namen "WTO-20007".
Erica Dubach, Leiterin Transformation und Interoperabilität im Bereich Digitale Transformation und IKT-Lenkung der Bundeskanzlei und Verantwortliche für die Beschaffung, gab an der Konferenz erstmals Einblicke in die Verhandlungen mit den 5 Cloud-Anbietern. Sie betonte, dass es bei den 110 Millionen Franken um einen Rahmenvertrag mit Optionen gehe.
Der Bund werde bei den Cloud-Anbietern auf "Level 1" keine kritischen Daten speichern. Es gehe um Wetterdaten, die sowieso grenzübergreifend genutzt würden, öffentliche Daten wie Landkarten, etc. Auf dem "Level 2" würden auch persönliche Daten gespeichert – in der Schweiz und in der EU – wobei hier nicht erwähnt wurde, wer diese wo hostet. Auf dem "Level 3" schliesslich, für besonders schützenswerte Daten, sei der Bund verantwortlich.
Warum es die Hyperscaler brauche, dazu nannte Dubach zweimal denselben Namen: AWS. Der Dienst biete laut "Meteo-Fachpersonen" den besten Zugriff auf Wetter-Daten. In der Pandemie habe sich zudem gezeigt, dass die Website des Bundes schnell gehostet werden musste, durch einen Hyperscaler: AWS.
Ohne weitere Namen zu nennen, gab Dubach auch Einblicke in die Vertragsverhandlungen. Ein Team aus Informatikerinnen, Juristen und Zuständigen des Bundes habe den 5 Hyperscalern anonymisierte Auswertungen mit Farbtabellen basierend auf den Zuschlagskriterien gezeigt: "Liebe Anbieterin, Sie haben nur orange, Ihre Konkurrenz hat grün." So seien alle Cloud-Anbietenden am Ende auf derselben Stufe gelandet.
"Wir haben sie gegeneinander ausgespielt", wurde von Dubach wie vom ebenfalls anwesenden Leiter "Digitale Transformation und IKT-Lenkung" Daniel Markwalder mehrfach betont. Auch ein rechtlicher Rahmen für die Nutzung der Public Cloud in der Bundesverwaltung sei in Arbeit. Dazu ist allerdings noch eine Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht hängig.

Loading

Mehr zum Thema

imageAbo

EFK bemängelt Datenmanagement beim Bund

Die Bundesverwaltung setzt die Vorgaben für ein einheitliches Datenmanagement erst ansatzweise um.

publiziert am 15.10.2026
image

Bundesrat will Jugendschutz in der Plattformregulierung

Nach der Vernehmlassung ergänzt die Regierung den Gesetzesentwurf mit schärferen Jugendschutzmassnahmen. Bis Ende Juni 2027 soll die Botschaft vorliegen.

publiziert am 14.10.2026
image

"Massive technische Mängel": Ombudsmann kritisiert Citysoftnet

Das Fallführungssystem sorgte nach Bern auch in Zürich für Klagen. Laut dem Schlussbericht des Ombudsmanns wurden Warnzeichen ignoriert.

publiziert am 14.10.2026
imageAbo

Basel-Landschaft erneuert IT-Arbeitsplätze für 16,7 Millionen

Der Kanton hat drei Aufträge rund um den IT-Arbeitsplatz seiner Verwaltung vergeben. Die Zuschläge gehen an MTF Solutions, Dplan, Bechtle und Brack.

publiziert am 13.10.2026