Meinung: Die Covid-App ist am analogen Gesundheitswesen gescheitert

30. März 2022, 14:45
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Die Technik der Tracing-App selbst hat einwandfrei funktioniert, aber angesichts der mangelnden Digitalisierung des Gesundheitswesens ist der Weiterbetrieb fragwürdig.

Die Gerüchte haben sich bestätigt: Die Contact-Tracing-App wird vorübergehend deaktiviert und aus den App-Stores entfernt. Dies hat der Bundesrat heute mitgeteilt.

Problem 1: Vorteile der App nur ungenügend erklärt

Ich selbst hatte die SwissCovid-App seit Anbeginn der Pandemie installiert, wie 1,3 Millionen andere Bürgerinnen und Bürger der Schweiz auch. Nur: Bemerkt habe ich sie nie. Kein einziges Mal in den vergangenen zwei Jahren wurde ich gewarnt, ich hätte Kontakt mit einer infizierten Person gehabt. So wie mir ist es vermutlich vielen ergangen, auch wenn die App für wenige statt alle tatsächlich funktionierte. Die Technik der App selbst ist ausgeklügelt und wirksam – und sollte tatsächlich Vorbild für viele IT-Projekte beim Bund sein.
Leider waren aber weder der Bundesrat noch das Bundesamt für Gesundheit in der Lage, Nutzen und Sinnhaftigkeit der App so zu erklären, dass die Mehrheit der Bevölkerung eine Installation in Betracht gezogen hätte. Je nach Studie sind hierzulande rund 10 Millionen Smartphones im Umlauf. Vorsichtig gerechnet war also nur auf jedem siebten Telefon die App installiert – das ist viel zu wenig, aber nicht der einzige Grund dafür, dass die App nur eine geringe Wirkung erzielt hatte.

Problem 2: Die fehlende Digitalisierung des Gesundheitswesens

Aufgrund der unzureichenden Digitalisierung im Gesundheitswesen wurden die Codes, die bei einer Ansteckung in der App hätten eingegeben sollen, wahlweise zu spät oder gar nicht ausgestellt. Jetzt einen Witz mit Faxgeräten zu machen, wäre zynisch, wohl aber nicht ganz falsch. Angesichts der Tatsache, dass sich das Schweizer Gesundheitswesen nicht bis Ende Jahr auf einen Stand bringen lässt, den es verdient, ergibt unter diesen Umständen auch eine Weiterführung der Covid-App und das Investment von 5,5 Millionen Franken bis 2023 nur bedingt Sinn.
Das BAG muss jetzt seine Hausaufgaben erledigen und die notwendigen Umstrukturierungen einfordern und angehen, sonst bleibt die App auch in Zukunft wirkungslos. Das wäre schade, wenn die App selbst angesichts der hervorragenden technischen Umsetzung quasi wirkungslos beerdigt werden müsste.

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