Anfang Woche behauptete die südamerikanische Hackerbande Lapsus$ auf ihrem Telegram-Kanal, dass sie
Kundendaten von Okta gestohlen habe. Gemäss eigenen Angaben hat sich die Gruppe Zugang zu einem Superuser-Account des in San Francisco ansässigen Unternehmens verschafft. Über diesen werden Benutzerauthentifizierungsdienste für Tausende von Firmenkunden verwaltet. Zum Beweis lieferten die Kriminellen Screenshots, die die angeblich geklauten Daten zeigen sollen. Da viele Unternehmen Okta als Gatekeeper für ihre Cloud-Dienste nutzen, könnte ein solcher Angriff erhebliche Auswirkungen auf zahlreiche User haben.
Nur wenige Tage zuvor hat die
umtriebige Hackerbande bereits Daten publik gemacht, die aus einem
Hack bei Microsoft stammen sollen. Über 90% des Quellcodes für Bing und 45% des Codes für Bing Maps und die Sprachassistentin Cortana sollen sich in den erbeuteten Daten befinden. Der Softwareriese hat den Hack mittlerweile bestätigt. Im
Bericht zum Vorfall werden die Aktivitäten von Lapsus$ als eine "gross angelegte Social-Engineering- und Erpressungskampagne" bezeichnet. Davor wurden mit
Nvidia und
Samsung zwei weitere Tech-Giganten Opfer der berüchtigten Hacker.
Nur wenige Okta-Kunden betroffen?
In einer Mitteilung erklärte David Bradbury, Chief Security Officer bei Okta zuerst: "Der Dienst wurde nicht beeinträchtigt." Bereits am 20. Januar 2022 seien Security-Mitarbeitende des Unternehmens darauf aufmerksam geworden, dass versucht worden sei, einen neuen MFA-Faktor dem Okta-Konto eines Sitel-Kundenbetreuers hinzuzufügen. Obwohl dieser Versuch erfolglos geblieben sei, sei das Konto aus Vorsicht gesperrt und Sitel benachrichtigt worden. Sitel teilte im Gegenzug mit, dass eine Untersuchung des Vorfalls mit der Unterstützung eines forensischen Unternehmens durchgeführt werde. Diese dauerte bis zum 28. Februar 2022 und deckte auf, dass der Dienst kompromittiert worden sei.
Die Resultate aus diesem forensischen Bericht hat Okta nach eigenen Abgaben allerdings erst am 20. März 2022 von Sitel erhalten. Im Zuge einer gründlichen Überprüfung von 125'000 Logins im betroffenen Zeitraum seien dann 366 Sicherheitsverstösse aufgedeckt worden. Die entsprechenden Kunden seien identifiziert und über den Vorfall informiert worden, so das Unternehmen. Bradbury führte weiter aus, dass während der Untersuchung "ein fünftägiges Zeitfenster zwischen dem 16. und 21. Januar 2022 identifiziert wurde, in dem ein Angreifer Zugriff auf den Laptop eines Supporttechnikers hatte".
Ausmass weiterhin unklar
Der Erklärung wurde auch hinzugefügt, dass die Angreifer während dieser fünf Tage einen Zugriff auf der Stufe eines Support-Technikers hatten. Im Gegensatz zu den Behauptungen von Lapsus$ soll dieser Zugang aber keine Möglichkeiten einschliessen, Benutzer zu erstellen oder zu löschen, Kundendatenbanken herunterzuladen oder auf bestehende Benutzerpasswörter zuzugreifen, oder gar den Zugriff auf Jira-Tickets, Benutzerlisten und die Möglichkeit, Passwörter und Multifaktor-Authentifizierungs-Tokens (MFA) zurückzusetzen. Letzteres sei der Hauptmechanismus, den die Lapsus$-Hacker wahrscheinlich missbraucht hätten, um mit Okta-Logins in Zielunternehmen einzudringen und deren Daten abzugreifen.
Lapsus$ seinerseits wies die Darstellungen von Okta zurück und behauptete auf seinem Telegram-Kanal auch weiterhin, man habe Zugriff auf einen Superuser-Account gehabt und somit auch die Möglichkeit, 95% aller Passwörter des Dienstes zurückzusetzen. Die neu bekannten Details zeichnen noch immer kein klares Bild des Vorfalls. Die widersprüchlichen Darstellungen des Sachverhalts dürften aber dafür sorgen, dass es für Okta-Kunden noch schwieriger wird, herauszufinden, inwiefern sie von einem allfälligen Datenleck betroffen wären.