Das französische Cloud-Unternehmen baut seine Schweizer Präsenz aus und mietet sich bei Interxion ein. Im Blick hat man nicht zuletzt Behörden und die Finanzindustrie, erklärten Vertreter in Zürich.
OVHcloud, der grösste europäische Cloud-Anbieter, hat mit Zürich seine erste Schweizer "Local Zone" offiziell eröffnet. "Wir sind hier schon länger präsent und haben einige hundert Kunden", sagte Falk Weinreich, General Manager Central Europe von OVHcloud, an einem Mediengespräch in Zürich. Man merke hierzulande eine steigende Nachfrage und wolle entsprechend wachsen.
Weltweit bedient OVH nach eigenen Angaben 1,6 Millionen Kundinnen und Kunden in über 140 Ländern und betreibt 43 Rechenzentren. In der Schweiz setzt das französische Unternehmen aber vorerst auf eine "Local Zone" und baut kein RZ.
Lausanne folgt als zweite Schweizer Zone
Henrik Hasenkamp.
Der Bedarf von Schweizer Unternehmen an regionaler Cloud-Infrastruktur sei hoch, erklärte Henrik Hasenkamp, CEO von Gridscale. "Wir sind daher sehr stolz darauf, im Schweizer Markt mit unserem weltweiten Roll-Out von 150 Local-Zone-Standorten starten zu dürfen." Diese Standorte sollen bis 2026 eröffnet werden, als zweite Schweizer Zone folgt im nächsten Jahr Lausanne.
OVH hatte den deutschen Edge-Computing-Spezialisten Gridscale 2023 übernommen. Dessen Technologie kommt bei den Local Zones zum Einsatz. Diese Zonen würden nur eine überschaubare Infrastruktur mit effektivem Hosting in Colocation-Rechenzentren benötigen, so das Unternehmen. Während die Deployment-Zeit für einen RZ-Campus zwei Jahre oder mehr betragen würde, sei ein Deployment mit dieser Technologie innert weniger Wochen möglich, erklärte Hasenkamp. Der dezentrale Ansatz sei zudem flexibler und kostengünstiger als ein RZ-Bau. Ausserdem würden Local Zones eine bessere Latenzzeit bieten, während die Cloud-Dienstleistung dieselbe bleibe.
Bonus eines europäischen Cloud-Anbieters
Mit der Eröffnung der Zone Zürich will das Unternehmen näher an die Schweizer Kunden rücken. Diese können sämtliche Public-Cloud-Services von OVH beziehen, darunter Compute, Block Storage und Netzwerkdienste, einschliesslich lokaler Public IP. Die Nachfrage der Schweizer Unternehmen nach lokalen Cloud Services, die Sicherheit und Kontrolle über die eigenen Daten geben, nehme stetig zu, heisst es zu einer aktuellen Gridscale-Studie. Die befragten Unternehmen würden als wichtigste Gründe für den Betrieb der IT-Infrastruktur in der Schweiz eine bessere Performance durch niedrigere Latenzen im Anwendungsbetrieb (39%), den Wunsch nach mehr Kontrolle über die eigenen Daten (36%) sowie die niedrigeren Kosten für die Datenübertragung (32%) nennen.
Falk Weinreich.
OVH will dabei auch mit dem Bonus eines europäischen Unternehmens punkten, mit einer "Open & Trusted Cloud sowie der lokalen Datenresidenz". Im Gegensatz zu der Konkurrenz AWS, Azure oder Google unterstehe man nicht dem US-Cloud-Act, betonte Falk Weinreich. "Da sind wir, weil wir in fast jedem europäischen Land aktiv sind, im Vorteil, weil wir uns den lokalen Standards anpassen müssen." Man unterliege den strengen jeweiligen Compliance- und Security-Regeln. "Unsere Kunden sind Eigentümer ihrer Daten und haben das Urheberrecht darauf. Wir nutzen diese auch nicht zum Training unserer eigenen KI-Modelle. Da gibt es keine Kompromisse."
Zukünftig wolle man deshalb in der Schweiz neben Unternehmen auch verstärkt auf öffentliche Verwaltungen, das Gesundheitswesen und die Finanzindustrie als mögliche Kunden abzielen. "Bisher konnten wir die Datenspeicherung in der Schweiz nicht anbieten, das ändert sich jetzt." Man arbeite für Ausschreibungen auch mit hiesigen Partnern zusammen, die zum Beispiel ihre Softwarelösungen dann auf der Cloud von OVH betreiben.
Die Server stehen bei Interxion in Glattbrugg
Und bei welchem Colocation-Anbieter richtet sich OVHcloud für die Zürich Zone ein? "Wir machen daraus kein Geheimnis", antwortete Weinreich auf unsere Frage. "Das ist das Rechenzentrum von Digital Reality / Interxion in Glattbrugg." Dabei setze OVH "klassische" Server-Hardware ein und nicht die selbst entwickelte Wasserkühlungstechnik für die Prozessoren, die in sämtlichen eigenen RZs zum Einsatz kommt.
"Aber, wenn alles nach Wunsch verläuft und wir hier wachsen, bauen wir irgendwann ein eigenes Schweizer Rechenzentrum mit unserer Technik", so Weinreich. Dann würden die Local Zones anschliessend auf das eigene Modell migriert.