Das Kapitel elektronisches Patientendossier (EPD) ist bei der Schweizerischen Post bald beendet. Aktuell bietet Post Sanela Health die EPD-Plattform für Gesundheitsdienstleister und Spitäler sowie für Privatpersonen an. "Sanela stellt fest, dass die Nachfrage nach dem EPD zurückgeht", heisst es in einer Mitteilung. "Partner und potenzielle Kunden wie beispielsweise Spitäler oder Arztpraxen zeigen sich zurückhaltend, was die Weiterführung und Neueinführung des EPD betrifft, und immer weniger Privatpersonen eröffnen neue Dossiers."
Noch Ende 2024 beschloss die Post, ihr EPD zu modernisieren, auf die Cloud zu setzen und eine neue Plattform zu lancieren. Mit deren Start Anfang 2025 wurde das EPD dann auch in
die E-Post-App integriert. Mit dem eigenen EPD sei man klarer Marktführer, verkündete der Konzern damals. Mit der Cloud-Lösung wolle man neue Funktionen für Medikation oder Rezeptausstellung schneller anbieten. Die Daten würden "in einer hybriden Form" in der Microsoft-Cloud in der Schweiz und in den Rechenzentren der Post gespeichert. Diese Neuausrichtung führte zur
Kündigung des Vertrags mit dem Verein Cara, für dessen EPD die Post bis dahin die technische Partnerin war.
Plattform wird Ende 2026 eingestellt
Jetzt ist also Schluss für die rund 70'000 privaten Nutzerinnen und Nutzer des Sanela-EPD. Diese können die Plattform laut Mitteilung noch bis Ende 2026 nutzen. "Sie haben die Möglichkeit, ihre Daten aus dem heutigen elektronischen Patientendossier zu beziehen und in ihren Gesundheitsordner in der Post-App zu migrieren. Darin können sie von Gesundheitsdienstleistern Informationen und Dokumente via bekannte sichere E-Mail-Dienste wie Incamail oder HIN empfangen und so geschützt mit medizinischen Fachpersonen kommunizieren", so die Post.
Sanela werde die Kundinnen und Kunden in Bezug auf die Migration der Daten im Herbst kontaktieren. Auch werde man ins Gespräch mit den Gesundheitsdienstleistern treten, welche die EPD-Plattform in ihre Systeme integriert haben.
37 Stellen fallen weg
Das Ende bedeutet auch einen Stellenabbau bei der Post und bei Sanela. Mit der strategischen Neuausrichtung der Gesundheitslösung beabsichtigt die Post, "den digitalen Service public für das Gesundheitswesen organisatorisch neu aufzustellen, was zu einem Abbau von rund 37 Vollzeitäquivalenten führen könnte". Die Unternehmen würden alles daran setzen, "diesen so sozialverträglich wie möglich zu gestalten".
Ab jetzt will die Post den Fokus auf das zukünftige elektronische Gesundheitsdossier (E-GD) legen, das der Bund im vergangenen November
als Neustart für die digitale Gesundheitsakte angekündigt hatte. Die bisherige Lösung EPD war bis dato kaum vom Fleck gekommen – nur rund 130'000 Personen haben in der Schweiz aktuell ein EPD.
Die Post wolle auch künftig zur Digitalisierung des Gesundheitswesens in der Schweiz beitragen, betont sie in der Mitteilung. "Eine nationale Gesundheitsdatenlösung gehört zu einer fortschrittlichen Schweiz. Wir verfügen über die notwendigen Kompetenzen und langjährige Erfahrung, um der Schweiz bei der E-GD-Plattform einen Mehrwert zu bieten", sagt Nicole Burth, Leiterin Digital Services und Mitglied der Konzernleitung. Es sei zentral, dass nun die gesetzlichen und regulatorischen Voraussetzungen geschaffen würden, um dem Thema den nötigen Schub zu geben.