Post steigt beim elektronischen Patientendossier aus

25. Juni 2026 um 13:04
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Foto: Point Normal / Unsplash+

Die Post schliesst ihre EPD-Plattform bis Ende 2026. Künftig will sie den Fokus auf das elektronische Gesundheitsdossier legen.

Das Kapitel elektronisches Patientendossier (EPD) ist bei der Schweizerischen Post bald beendet. Aktuell bietet Post Sanela Health die EPD-Plattform für Gesundheitsdienstleister und Spitäler sowie für Privatpersonen an. "Sanela stellt fest, dass die Nachfrage nach dem EPD zurückgeht", heisst es in einer Mitteilung. "Partner und potenzielle Kunden wie beispielsweise Spitäler oder Arztpraxen zeigen sich zurückhaltend, was die Weiterführung und Neueinführung des EPD betrifft, und immer weniger Privatpersonen eröffnen neue Dossiers."
Noch Ende 2024 beschloss die Post, ihr EPD zu modernisieren, auf die Cloud zu setzen und eine neue Plattform zu lancieren. Mit deren Start Anfang 2025 wurde das EPD dann auch in die E-Post-App integriert. Mit dem eigenen EPD sei man klarer Marktführer, verkündete der Konzern damals. Mit der Cloud-Lösung wolle man neue Funktionen für Medikation oder Rezeptausstellung schneller anbieten. Die Daten würden "in einer hybriden Form" in der Microsoft-Cloud in der Schweiz und in den Rechenzentren der Post gespeichert. Diese Neuausrichtung führte zur Kündigung des Vertrags mit dem Verein Cara, für dessen EPD die Post bis dahin die technische Partnerin war.

Plattform wird Ende 2026 eingestellt

Jetzt ist also Schluss für die rund 70'000 privaten Nutzerinnen und Nutzer des Sanela-EPD. Diese können die Plattform laut Mitteilung noch bis Ende 2026 nutzen. "Sie haben die Möglichkeit, ihre Daten aus dem heutigen elektronischen Patientendossier zu beziehen und in ihren Gesundheitsordner in der Post-App zu migrieren. Darin können sie von Gesundheitsdienstleistern Informationen und Dokumente via bekannte sichere E-Mail-Dienste wie Incamail oder HIN empfangen und so geschützt mit medizinischen Fachpersonen kommunizieren", so die Post.
Sanela werde die Kundinnen und Kunden in Bezug auf die Migration der Daten im Herbst kontaktieren. Auch werde man ins Gespräch mit den Gesundheitsdienstleistern treten, welche die EPD-Plattform in ihre Systeme integriert haben.

37 Stellen fallen weg

Das Ende bedeutet auch einen Stellenabbau bei der Post und bei Sanela. Mit der strategischen Neuausrichtung der Gesundheitslösung beabsichtigt die Post, "den digitalen Service public für das Gesundheitswesen organisatorisch neu aufzustellen, was zu einem Abbau von rund 37 Vollzeitäquivalenten führen könnte". Die Unternehmen würden alles daran setzen, "diesen so sozialverträglich wie möglich zu gestalten".
Ab jetzt will die Post den Fokus auf das zukünftige elektronische Gesundheitsdossier (E-GD) legen, das der Bund im vergangenen November als Neustart für die digitale Gesundheitsakte angekündigt hatte. Die bisherige Lösung EPD war bis dato kaum vom Fleck gekommen – nur rund 130'000 Personen haben in der Schweiz aktuell ein EPD.

Kritik der Gewerkschaft

Die Gewerkschaft Syndicom wirft in einer Stellungnahme der Post "Aktionismus, statt überlegte Strategie" vor. Der Konzern vollziehe mit dieser Ankündigung eine abrupte Kurskorrektur und gebe eine Plattform auf, "in die investiert, für die geworben und auf die Kundinnen und Kunden sowie Angestellte verpflichtet wurden". Ohne gesicherte gesetzliche Grundlage werde nun auf eine neue, noch nicht beschlossene Lösung gesetzt.
"Das Gesetz zum E-GD befindet sich erst in der parlamentarischen Debatte. Der Stellenabbau von rund 37 Vollzeitstellen mit entsprechenden Entlassungen erfolgt damit ohne Planungssicherheit", kritisiert Sydicom. "Wir fordern die Post auf, im Rahmen des laufenden Konsultationsverfahrens zurück auf die Geleise einer nachhaltigen Personal- und Digitalisierungsstrategie zu finden." Es dürfe keinen Stellenabbau vor Verabschiedung des E-GD-Gesetzes geben, und dann brauche es einen "geordneten, schrittweisen Übergang vom EPD ins E-GD, der Kompetenzen und Personal in der neuen Struktur weiterführt, statt sie vorher abzubauen und später wieder einzukaufen".
Die Post wolle auch künftig zur Digitalisierung des Gesundheitswesens in der Schweiz beitragen, betont sie in ihrer Mitteilung. "Eine nationale Gesundheitsdatenlösung gehört zu einer fortschrittlichen Schweiz. Wir verfügen über die notwendigen Kompetenzen und langjährige Erfahrung, um der Schweiz bei der E-GD-Plattform einen Mehrwert zu bieten", sagt Nicole Burth, Leiterin Digital Services und Mitglied der Konzernleitung. Es sei zentral, dass nun die gesetzlichen und regulatorischen Voraussetzungen geschaffen würden, um dem Thema den nötigen Schub zu geben. Update 16.50 Uhr: Der Artikel wurde mit der Stellungnahme von Syndicom ergänzt.

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