Bundesprojekt ASALfutur verzögert sich

26. November 2020, 14:30
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Die Corona-Krise beeinflusst das Riesenprojekt der Arbeitslosenversicherung negativ. Warum? Und was kostet das? Das Seco antwortet.

Steht das Riesenprojekt ASALfutur der Arbeitslosenversicherung (ALV) nun doch unter einem schlechten Stern? Zuerst musste das Vorgängerprojekt ASALneu im August 2015 abgebrochen werden, dann wurde gegen den Zuschlag Beschwerde erhoben, die aber abgelehnt wurde.
Aber der holprige Start schien vorbei: Vor einem Jahr noch lobte die Eidgenössische Finanzkommission EFK insbesondere das Risikomanagement des komplexen 107 Millionen-Franken-Projekts, bei welchem bis 2021 die seit 1993 eingesetzten IT-Systeme ersetzt werden sollen.
"Die bisher definierten Massnahmen zur Risikoreduktion sind zielführend und umfassen die aufgeführten Risikobereiche", schrieb die EFK. Auf Simap ist nun ersichtlich, dass das zuständige Seco den Auftrag für die gelobten externen Risikomanager verlängert hat – der Grundauftrag läuft neu vom 1.1.2021 bis 31.12.2022 und es gibt Optionen für das Folgejahr. Die Begründung: Die Einführung des neuen Auszahlungssystems verzögere sich.
Darum die Fragen an das Seco: Ist es korrekt, dass sich ASALfutur um bis zu 2 Jahre verzögert? "Nein. Die aktuelle Planung sieht eine Projektverlängerung um 1 Jahr, den Abschluss der Projektphase Realisierung per Ende 2021, die produktive Einführung der neuen ASAL-Lösung im Jahr 2022 und den Projektabschluss per Mitte 2023 vor", erklärt ein Sprecher des Seco.

"Planung ist ambitioniert, aber machbar"

"Nicht zuletzt", sei die Covid-19-Krise für die Verzögerungen verantwortlich, heisst es des Weiteren. Es ist damit nicht ganz klar, ob der Abschlusstermin laut Gesamt-Detailprojektplanung vom Juli 2019 schon vor Covid-19 überarbeitet werden musste und vorher schon eine Verzögerung prognostiziert wurde. Auch hier sagt das Seco "Nein. Das Projekt verlief bis zur Covid-19-Krise gemäss Gesamtplanung vom Juli 2019. Die Planung war ambitioniert, wurde aber durch alle Beteiligten als machbar beurteilt. Die Covid-19-Krise führte aus verschiedenen Gründen zur nun vorliegenden Neuplanung des Projektes."
Nun ist ASALfutur ein zentrales "IKT-Schlüsselprojekt" und das bisherige System wird vom Hersteller nur bis 2022 gewartet. Das sei kein Problem: "Der bestehende Wartungsvertrag deckt den Zeitraum bis Ende 2022 ab und sieht eine allfällige darüberhinausgehende Verlängerung bereits vor."
Das Seco beantwortet auch die Frage, wie sich Covid-19 negativ auf ASALfutur konkret negativ auswirkt und welche Faktoren die Verzögerung allenfalls begründen: "Die Auswirkungen der Covid-19-Krise beeinflussten das Projekt aus 3 Gründen negativ: 1) substantieller Abzug von internen Projekt-Ressourcen zugunsten von dringlichen Vollzugsaufgaben zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen von Covid-19, 2) Erweiterung des Projektumfangs aufgrund gesetzlicher Änderungen sowie 3) Effizienzverluste in der Projektarbeit als Folge der Covid-19-Schutzmassnahmen. Die Arbeitslosenkassen bleiben bis auf Weiteres stark ausgelastet mit der Bewältigung der Covid-19-Krise, v.a. im Bereich 'Kurzarbeitsentschädigung'. Die Erfüllung dieser wichtigen Aufgaben zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie hat Priorität."
Nun wurde das Risikomanagement explizit positiv herausgestrichen, was zur Frage führt, ob neue, bis zur Verschiebung nicht berücksichtigte Risiken aufgetaucht sind. "Abgesehen von der unsicheren Entwicklung der Covid-19-Pandemie gibt es keine neuen Risiken. Die ungewissen Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die Arbeitslosenversicherung stellen aktuell den grössten Unsicherheitsfaktor für das Projekt dar. Es besteht das Risiko, dass die Arbeitslosenkassen und die Ausgleichsstelle (die beide seit März 2020 intensiv mit Vollzugsaufgaben zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie beschäftigt sind) die erforderlichen Leistungen für die geplante produktive Einführung im 2022 (Einführungsvorbereitungen, Migration, Schulung usw.) nicht leisten können."
Und budgetär ist dennoch kein böses Erwachen zu erwarten, der 107-Millionen Franken-Zuschlag für Novo BC für ASALfutur sei realistisch: "Das Projekt ist finanziell auf Kurs und der Zuschlag an den Lieferanten kann aus heutiger Sicht eingehalten werden", erklärt das Seco.

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