EU, USA und China investieren Dutzende Milliarden in digitale Souveränität

18. März 2021, 10:57
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Die "schlimmste Chip-Versorgungs­krise aller Zeiten" und die Spannungen zwischen den USA und China drängen zum Handeln. Alle wollen eigene Halbleiter.

Die Europäische Union will bis 2030 mehr als 150 Milliarden Dollar für die Entwicklung digitaler Industrien bereitstellen. Damit soll der Rückstand auf die USA und China aufgeholt werden, wie man sich in Brüssel erhofft.
Der neue "Digitale Kompass" ist Teil des Konjunkturpaketes in der Corona-Krise, das insgesamt 2 Billionen Dollar umfasst. Er soll insbesondere die digitale Autonomie verbessern. "Wir müssen unabhängiger werden, wenn es um Schlüsseltechnologien geht", sagte Margrethe Vestager, die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission. Dies berichtet das 'Wall Street Journal'.
Dazu zählen insbesondere Halbleiter: Bis 2030 will man in Europa mindestens 20% der weltweiten Chips der nächsten Generation produzieren. Letztes Jahr waren es rund 10%. Der weltweite Chipmangel hatte nicht nur die Tech-Industrie in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch die etwa für Deutschland so wichtige Automobilindustrie.

Auch die USA drücken aufs Tempo

Die Lage wird durch die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China verschärft, die weiter zu eskalieren drohen. Auch unter dem neuen Präsidenten Joe Biden werden die Sanktionen gegen chinesische Firmen ausgeweitet. Erst kürzlich hat die US-Aufsichtsbehörde FCC 5 weitere Firmen aus China als "Bedrohung für die nationale Sicherheit" ausgerufen.
Biden habe zudem eine Überprüfung von Produkten und Sektoren veranlasst, die für die USA von geopolitischer und wirtschaftlicher Wichtigkeit sind, wie das 'Wall Street Journal' (Paywall). Die Chiptechnologie dürfte dazu zählen: Der US-Kongress habe den Firmen in der Industrie Zuschüsse und Anreize zugesichert, die pro Projekt mehrere Milliarden Dollar betragen können. In den USA zeichnen sich schon länger Anstrengungen ab, die Chipproduktion ins eigene Land zurückzuholen.

In China entsteht eine neue Milliarden-Fabrik

Auch China ist nicht untätig geblieben. Das Land hat 2019 einen Fonds über 29 Milliarden Dollar eingerichtet, um die heimische Chipindustrie anzukurbeln. Nun sollen die Anstrengungen nochmals beschleunigt werden. Die 'South China Morning Post' meldet, dass Chinas führender Hersteller SMIC mit der Regierung in Shenzhen den Bau einer neuen Fertigungsanlage vereinbart hat. Dafür wurde ein Fonds über 2,4 Milliarden Dollar geschaffen.
Die Fabrik, die offiziell den weltweiten Chipmangel abmildern soll, werde 2022 die Produktion aufnehmen. Die Tech-Industrie leide unter der schlimmsten Chip-Versorgungskrise aller Zeiten, habe der Zhou Zixue, der CEO von SMIC, kürzlich erklärt. Dies berichtete 'The Register'.
Neben China, den USA und Europa sind Südkorea, Japan und Taiwan wichtig für die Halbleiterindustrie. Auf Taiwan ist unter anderem der weltgrösste Auftragsfertiger TSMC angesiedelt, der im Mai 2020 angekündigt hatte, in den USA eine Fertigungsstätte aufzubauen. China betrachtet das Land als Teil seines Territoriums und droht schon länger mit einer militärischen Offensive. Erst im Januar hatte die USA ihre diplomatischen Beziehungen zu Taiwan verstärkt.

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