Informatik-Fachkräftemangel soll sich in der Schweiz weiter verschärfen

10. September 2020, 13:32
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ICT-Berufsbildung Schweiz prognostiziert noch mehr fehlende Fachleute und fordert mehr Lehrstellen und aussergewöhnliche Massnahmen.

Die Schweizer Wirtschaft benötige bis 2028 insgesamt 117'900 zusätzliche ICT-Fachkräfte, prognostiziert ICT-Berufsbildung Schweiz. Damit wachse die Nachfrage noch stärker als erwartet.
Diese Zahl setzt sich laut den Studienautoren zum einen zusammen aus bis dahin pensionierten und abgewanderten Informatik-Fachleuten, die ersetzt werden müssen. Zum anderen steige in den kommenden 8 Jahren der Bedarf wegen dem erwarteten Wirtschaftswachstum in der Schweiz sowie wegen dem "Strukturwandel". Dieser "drückt sich darin aus, dass die Anzahl der ICT-Beschäftigten am Beschäftigtentotal einer Firma steigt", so die Autoren.
Aktuell arbeiten 242'600 Personen in einer ICT-Firma oder ICT-Abteilung in der Schweiz, 60% oder 150'100 von ihnen arbeiten ausserhalb der ICT-Kernbranche und in der öffentlichen Verwaltung, so die Studie. 
Woher sollen diese Software-Entwickler, Netzwerk-Spezialisten, Mediamatiker, Telekommunikations-Fachleute, ICT-Kader und Grafik-& Multimediadesigner kommen? Der eigene ICT-Nachwuchs und die Zuwanderung würden nur 70% des Bedarfs decken, sagt ICT-Berufsbildung Schweiz, woher die verbleibenden 35'800 Fachleute kommen sollen, ist offen.
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Entstehung des Fachkräftebedarfs bis 2028 (Grafik: ICT-Berufsbildung Schweiz)
"Dies ist eine enorme bildungspolitische und gesamtwirtschaftliche Herausforderung, die nach ausserordentlichen Massnahmen verlangt", schlägt der Verband Alarm. So müsse sichergestellt werden, dass "auf einfache Art und Weise die benötigten spezialisierten ICT-Fachkräfte aus dem Ausland beschafft werden können."
Die gesamte Schweizer Wirtschaft müsse gleichzeitig deutlich mehr in Aus- und Weiterbildung investieren als bislang. "Unternehmen aller Branchen sowie die öffentliche Verwaltung müssen Verantwortung für einen ausreichenden ICT-Nachwuchs übernehmen", so Serge Frech, Geschäftsführer von ICT-Berufsbildung Schweiz. Die berufliche Grundbildung sei dabei "der zentrale Hebel und wichtigste Zubringerin für die höhere Berufsbildung und die Fachhochschulen."
Anlässlich der Publikation der Studie zeigten denn auch Schweizer Unternehmen die Wirtschaftsperspektive für ICT-Fachleute auf. 
Um die 35'800 Fachleute zu finden, repetiert der Verband das Mantra der Branche, müssen speziell auch viel mehr Frauen ICT-Berufe ergreifen. Allerdings ist bis anhin guter Rat in der Frauenfrage teuer. Erheblich leichter umzusetzen sein, dürften der avisierte Ausbau der Partnerschaften mit Branchenverbänden und die Entwicklung neuer Berufe und eidgenössischer Abschlüsse.
Nicht zuletzt wirbt die Verbandsstudie auch mit Geld. ICT-Fachleute seien in der Schweiz aussergewöhnlich gut bezahlt mit einem monatlichen Bruttomedianlohn von 9'100 Franken. Allerdings kann die hiesige Wirtschaft, ob Grossbank oder KMU, nicht mit den Löhnen von Google Schweiz mithalten. Wie eine aktuelle Analyse von inside-it.ch zeigt, zahlt der US-Konzern seine Software Engineers mit 0 bis 6 Jahren Berufserfahrung exzellent: Sie kassieren in Zürich offenbar zwischen 150'000 und 203'000 Dollar Jahressalär.

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