KI-Regulierung wird zum Zankapfel

21. Januar 2020 um 14:22
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Alphabet-CEO Sundar Pichai möchte "verhältnismässige" Regeln. Microsoft-President Brad Smith argumentiert mit vermissten Kindern gegen einen EU-Vorschlag.

Sundar Pichai hat sich in einem Gastbeitrag in der 'Financial Times' für staatliche Regularien im Bereich Künstlicher Intelligenz ausgesprochen. Der Alphabet-Chef gab zu bedenken, dass selbstverordnete Prinzipien der Firmen nicht genügen würden.
"Ich halte es für wichtig, dass Regierungen und Regulatoren dies eher früher als später in Angriff nehmen und einen Rahmen schaffen", unterstrich er kürzlich seine Gedanken an einer Konferenz in Brüssel. Dies berichtet 'Reuters'.
Google hatte sich im Sommer 2018 zu sieben Prinzipien für eine "nette" KI bekannt, nachdem aus der Belegschaft kritische Stimmen laut geworden waren. Nun sagte der CEO, Prinzipien, die auf dem Papier blieben, seien bedeutungslos. Zudem könne jede neue Entwicklung auch neue negative Folgen zeitigen.

Streitpunkt ist vor allem Face Recognition

Neben Deepfakes stand insbesondere die Gesichtserkennung im Zentrum seiner Besorgnis. Die Technologie macht wieder öffentlich von sich Reden. Neues Material für die Debatte brachte die Enthüllung, dass das US-Startup Clearview rund drei Milliarden Bilder von Menschen von Social-Media-Plattformen heruntergeladen und eine Datenbank für Face Recognition erstellt hatte, um diese rund 600 Behörden als Service anzubieten.
Derweil ist ein White Paper (PDF) der EU durchgesickert, das als Grundlage für die Diskussion künftiger Regulierung dienen soll. Darin wird ein Moratorium als mögliche Option vorgestellt, mit dem Gesichtserkennung im öffentlichen Raum für bis zu fünf Jahre verboten werden könnte. In dieser Zeit könnten dann Regeln ausgearbeitet werden. Pichai unterstützte dieses Vorhaben auf der Brüsseler Konferenz zumindest implizit, als er sagte, dass die Regulierung unmittelbar oder aber nach einer "Wartezeit" erfolgen soll.

Pichai: Das grösste Risiko wäre, KI nicht zu nutzen

Neue Gesetze will Pichai derweil nicht: Stattdessen sollen vorhandene Regeln wie etwa die DSGVO als Grundlage dienen. Und der Google-Chef relativiert die Regulierung in seinem 'Financial-Times'-Artikel (Paywall) auch zugleich etwas. Sie müsse "vernünftig" sowie "verhältnismässig" sein und es müssten potenzielle Schäden und Chancen abgewogen werden. Denn das grösste Risiko könne darin bestehen, das Potential von KI nicht zu nutzen, so Pichai.
Deutlichere Kritik für das Moratorium aus dem EU-Papier fand Microsoft-President Brad Smith. Gesichtserkennung helfe NGOs beim Auffinden vermisster Kinder, gab er zu bedenken. Es widerstrebe ihm, eine Technologie zu verbieten, die helfe Familien wieder zusammenzubringen.
Die Absichten der EU glichen mehr einem Fleischerbeil als einem Skalpell. Und es gebe nur einen Weg, eine Technologie zu verbessern, nämlich sie zu nutzen. Man müsse nun zuerst die Probleme identifizieren und dann Regeln aufstellen, die verhindern, dass KI zur Massenüberwachung eingesetzt werde, so Smith. 

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