Kriminelle hacken Labor für Corona-Tests

17. März 2020, 14:31
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Hacker haben das IT-System einer tschechischen Uni-Klinik lahmgelegt. Damit verzögern sich auch Covid-19-Tests.

Derzeit ziehen viele Hände am selben Strick, um die Corona-Pandemie zurückzudrängen oder zumindest die Welle etwas abzuflachen und um die medizinische Infrastruktur zu schützen. Wissenschaftler rund um die Welt forschen an Medikamenten und auch an einer Impfung gegen Covid-19. Ausserdem sind Labore dafür zuständig, dass Infektionen erkannt werden und entsprechend gehandelt werden kann.
So auch das Universitätsklinikum Brno, das zweitgrösste Spital der Tschechischen Republik. Die Institution beherbergt eines von 18 Labors im Land, die Tests auf das neue Virus durchführen können. Nun mussten Teile der IT-Systeme abschaltet werden, weil sie von Kriminellen attackiert wurden, wie Medien berichten.
In der Tschechischen Republik gibt es derzeit laut offiziellen Angaben fast 400 Infizierte. Die Zahlen sind aber bekanntlich nur so verlässlich, wie die Test-Möglichkeiten. Seit dem Ausbruch wurden im Labor in Brno rund 20 Tests pro Tag durchgeführt, wie 'Bleeping Computer' schreibt.
Der Angriff habe die Auswertung der Ergebnisse der letzten Tage verzögert, berichtet das Magazin. Patienten würden weiterhin untersucht aber ihre medizinischen Daten würden im System "hängen" und könnten nicht in der Datenbank erfasst werden. Zudem wurden laut Berichten chirurgische Eingriffe verschoben und neue Akut-Patienten in ein nahe gelegenes Krankenhaus umgeleitet.

War es wieder ein Ransomware-Angriff?

Über die Art des Angriffs ist noch nichts Genaueres bekannt. Angesichts dessen, dass sich Ransomware-Angreifer stark auf den Gesundheitsbereich fokussieren, dürfte es nicht erstaunen, wenn auch dieser Angriff mit Verschlüsselungs-Malware erfolgt ist.
Cyber-Security-Behörden und die Polizei der Tschechischen Republik wurden eingeschaltet. Da im Land bereits der Notstand ausgerufen worden ist, wird der Fall prioritär behandelt. Dies dürfte sich auch auf das Strafmass auswirken.
Einige Ransomware-Angreifer vermeiden es, auf kritische Dienste zu zielen. So sagte etwa die berüchtigte Gruppe Maze, die etwa hinter dem Angriff auf den  Baukonzern Bouygues steckt, zu 'Bleeping Computer', dass sie "Krankenhäuser, Krebszentren, Entbindungskliniken und andere sozial wichtige Objekte nicht angreifen". Es gibt aber genügend Kriminelle, die dies anders handhaben und gerade die aktuell prekäre Situation ausnützen.
So gab es in den letzten Tagen in der Schweiz Phishing-Mails, die als BAG-Mitteilungen getarnt waren. Zudem wurde kürzlich gemeldet, dass es einen Angriff auf das Netzwerk des Gesundheits- und Sozialministerium der USA gegeben hat.

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