Neue Services der Post sorgen für Irritation

27. September 2021, 15:25
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Ob die Post irregulär in den Markt für digitale Services vorstösst, ist bereits politisch ein Thema. Nun meldet das Luzerner Startup Peax einen konkreten Streitfall.

In Sachen digitalem Briefkasten fungiert die Schweizerische Post seit einigen Jahren als Kooperationspartner für das inzwischen 30 Köpfe zählende Startup Peax. Nun hat die Partnerschaft Risse bekommen, berichtet die 'Luzerner Zeitung'. Denn in diesem Sommer hat die Post ein eigenes Produkt namens ePost auf den Markt gebracht, das von der Post-Tochter Klara stammt, allerdings mit sehr viel günstigeren Konditionen trumpft.
Peax, ein Tochterunternehmen der Base-Net Gruppe von Stefan Hermann, bietet seinen Service laut dem Bericht schon seit 2016 an. Dabei werden physische Briefe, Dokumente und Rechnungen eingescannt, digitalisiert und an einen digitalen Briefkasten geschickt. Gemeinsam mit der Post wird der Versand an ein Scanning-Center abgewickelt. Dort werden die Briefe geöffnet, digitalisiert und verschlüsselt an den entsprechenden digitalen Briefkasten von Peax gesendet.
Nun, das alles kann die Lösung von Klara auch und diese Konkurrenz ist auch nicht das Problem. Vielmehr gehe es um die Preispolitik der Post, sagt Hermann. Statt gleich lange Spiesse anzubieten, koste ePost "für Endkunden weniger, als wir für die Postumleitung bezahlen müssen", sagt er. So zahle Peax für die Umleitung der Post von Privatpersonen 18 Franken pro Monat und Kunde und für Geschäftskunden seien es 27 Franken. Hinzu komme das Scanning, das eine Drittfirma übernehme. Genau die gleiche Dienstleistung biete ePost Privatpersonen für 14,90 Franken pro Monat an und zwar inklusive Scanning.
Der Luzerner Software-Unternehmer spricht denn auch von einer aggressiven Preisstrategie: "Die Post missbraucht ihre marktbeherrschende Stellung". Dabei seien ihm die Hände gebunden, denn die Vorleistung der Postumleitung könne er nur vom Monopolisten beziehen. "Wir können preislich nicht mithalten."
Das sind happige Vorwürfe, die umso schwerer wiegen, weil sich der Gelbe Riese mehrere IT-Firmen einverleibt hat und massiv in digitale Services investiert. Hier geht es um Fragen, die kürzlich auch den Nationalrat beschäftigten.
Laut der 'Luzerner Zeitung' überlegt sich Hermann, die Wettbewerbskommission einzuschalten. Allerdings sei unklar, ob eine kartellrechtliche Beurteilung überhaupt möglich ist. Laut dem Bericht müsste dazu unter anderem geklärt werden, ob digitale Briefkästen als eigenständiger Markt zu definieren sind.

Post "sucht Gespräch mit Peax"

Anders sieht es offensichtlich bei der Post aus. Dort weist man den Vorwurf des Missbrauchs einer angeblich marktbeherrschenden Stellung vehement zurück. Die Postumleitung sei zwar Teil der Grundversorgung, gehöre aber nicht zum eigentlichen Monopol der Post. Sie stehe allen Kunden zum gleichen Preis offen, wobei es für Geschäfts- und Privatkunden unterschiedliche Dienstleistungen gebe, heisst es in dem Bericht.
Die Post-Tochter Klara sei ein Geschäftskunde und beziehe von der Post eine Standarddienstleistung, die allen anderen Unternehmen auch offenstehe. Und selbstverständlich stehe es Peax frei, "die gleiche Umleitungsdienstleistung wie Klara zu den gleichen Konditionen zu nutzen", zitiert der Bericht einen Post-Sprecher.
Hermann hingegen sagt, dass er von solchen günstigeren Umleitungstarifen nichts wisse. Seit man die Dienstleistung der Post nutze, habe es keine Hinweise darauf gegeben. "Im Gegenteil. Als wir angefragt haben, hat uns die Post auf die Standardkonditionen verwiesen und uns 18 Franken für die Umleitung offeriert", so Hermann zur 'Luzerner Zeitung'.
Inzwischen soll Bewegung in die Sache gekommen sein. Bei der Post habe man erklärt, das Gespräch mit Peax zu suchen, "um unsere Dienstleistungen und Preispalette darzulegen sowie allfällige Missverständnisse auszuräumen".

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