"Rotes GPS" schon bald am Firmament

4. April 2007, 11:56
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Die Satellitenflotte für das russische Navigationssystem Glonass startet Ende 2007.

Die Satellitenflotte für das russische Navigationssystem Glonass startet Ende 2007.
Noch in diesem Jahr will Russland mit seinem "Global Navigation Satellite System" (Glonass) den Angriff auf die Vormachtstellung der US-Konkurrenz "Global Positioning System" (GPS) starten. Ende 2007 sollen acht Navigationssatelliten ins All gesendet werden, berichtet die 'New York Times' unter Berufung auf russische Behörden. Das System werde zunächst Russland sowie Teile Europas und Asiens abdecken. Bis 2009 ist die globale Abdeckung geplant. Neben Russland schielen auch China und Europa auf den lukrativen sowie sicherheitspolitisch wichtigen Markt, der derzeit noch von GPS dominiert wird.
Während China allerdings bereits erste Satelliten für sein System "Baidu" im All hat, wird man auf "Galileo", das Prestigeprojekt der Europäische Union, noch ziemlich lange warten müssen. Streitereien der einzelnen Mitgliedstaaten sowie schleppende Verhandlungen über die Galileo-Konzession durch das Industriekonsortium haben für Verzögerungen bei der Einführung des Satellitensystems gesorgt. Ursprünglich für 2008 geplant, wurde der Start mittlerweile auf 2011 verschoben.
Eigentlich für militärische Zwecke entwickelt, hat sich die Satellitennavigation in den vergangenen Jahren auch zu einem lukrativen Verbrauchermarkt gemausert. Nach Berechnungen des Washingtoner "GPS Industry Council" wurden 2006 weltweit Navigations-Geräte im Wert von 15 Milliarden. Dollar verkauft. Der Markt soll in den kommenden Jahren um jährlich 25 bis 30 Prozent wachsen.
Die Satellitennavigation dürfte in Zukunft auch in Bereichen wie der Landwirtschaft oder dem Bankensektor eine zunehmende Rolle spielen. Hinter dem Kampf um die Kontrolle auf dem Satellitenmarkt stehen nicht zuletzt sicherheitspolitische Erwägungen. Befürchtet wird, dass die USA ihr derzeitiges Monopol im Krisenfall missbrauchen und Signale punktuell unterdrücken könnten. "In einigen Jahren wird das Wirtschaftsleben ohne Navigationssignale aber nicht mehr vorstellbar sein", kommentiert Andrej G. Jonin, Raumfahrtspezialist am russischen Center for the Analysis of Strategies and Technologies in der 'NYT'. Alles was sich bewegt - seien es Flugzeuge, Züge, Menschen oder Nutztiere - werde dann solche Signale nutzen. (pte)

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