SNB: Digitalwährung funktioniert

3. Dezember 2020, 15:13
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Die Schweizerische Nationalbank hat eine Art "Wholesale"-Währung erfolgreich getestet. Sie warnt aber vor allzu grossen Erwartungen.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat Versuche mit einem eigenen Digitalgeld nach eigenen Angaben erfolgreich abgeschlossen. Getestet wurde der Einsatz von digitalem Zentralbankgeld auf der Handelsplattform der geplanten Digitalbörse SDX. Dabei ging es allerdings um eine auf Finanzinstitute beschränkte "Wholesale"-Währung, nicht aber um eine allgemein benutzbare "Retail"-Digitalwährung.
Bei den unter dem Namen "Project Helvetia" durchgeführten Tests wurde das SNB-Digitalgeld für den Handel mit tokenisierten Wertpapieren eingesetzt, wie die SNB und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mitteilten. Die Versuche sollten die Machbarkeit einer solchen Zentralbank-Digitalwährung (Central Bank Digital Currency CBDC) beweisen. Dieser Beweis konnte in einem PoC erbracht werden, wie Sébastien ­Kraenzlin, Chef des operativen Bankgeschäfts der SNB, an einem 'Finanz-und-Wirtschafts'-Forum kürzlich erklärte.

Keine konkreten Pläne

Die erste Phase des Projekt sei ein Erfolg gewesen, sagte SNB-Direktorin Andréa Maechler vor den Medien. "Wichtige Fragen bleiben aber noch unbeantwortet", betonte sie. Das Projekt soll nun in eine weitere Phase gehen, die bis zum dritten Quartal 2021 abgeschlossen werden soll.
Die Tests bedeuten aber nicht, dass die SNB nun eine eigene Digitalwährung ausgeben werde, betonte Maechler auf mehrfache Nachfragen. Insbesondere sei auch die Ausgabe einer "Retail-CBDC" nicht geplant. Die Ausgabe einer solchen auch von Unternehmen und Konsumenten einsetzbaren "Retail-CBDC" könnte gar eine Bedrohung für die finanzielle Stabilität bedeuten, wiederholte die SNB-Direktorin frühere Äusserungen von Nationalbank-Vertretern.
Digitales Zentralbankengeld könnte auf DLT-Basis umgesetzt werden. Aber auch der SNB-Vertreter Kraenzlin liess Ende Oktober keine grossen Hoffnungen zum Thema "Blockchain in der Finanzindustrie" anklingen: Er sagte, er erwarte keinen "Big Bang", nach welchem dem die gesamte Finanzwelt primär oder einzig auf Basis von Distri­buted Ledger Technologie (DLT) geschäften werde. "Viel realistischer ist eine Koexistenz von bisherigen Legacy-Systemen mit DLT in einer hybriden Finanzmarktinfrastruktur", so Kraenzlin.
Er identifizierte als DLT-Use Cases im Finanzmarkt-Infrastrukturbereich die Emission von Stable Coins zur Abwicklung der Geldseite von Transaktionen und die Ausschöpfung des Potentials mit der ganzen Wertschöpfungskette (Emission, Trading, Post-Trading). Zudem untersuche man weiterhin die Integration von Zentralbankengeld gemeinsam mit dem BIS Innovation Hub.

Libra, beziehungsweise Diem, ist Motivation

Das Thema des Zentralbanken-Digitalgelds hat vor allem seit der Ankündigung des Technologiekonzerns Facebook vom Sommer 2019, mit dem Libra (seit neuem "Diem" genannt) eine private Digitalwährung zu schaffen, deutlich an Fahrt aufgenommen. Gemäss einer Untersuchung der BIZ führen rund 80% der Zentralbanken Studien durch und diverse Zentralbanken haben bereits konkrete Tests mit solchen CBDC durchgeführt.
Weit fortgeschritten ist dabei China. Die Wirtschafts-Grossmacht entwickelt bereits seit 2014 unter dem Kürzel DCEP (Digital Currency Electronic Payment) einen "digitalen Yuan", der derzeit in mehreren chinesischen Regionen getestet wird. Ein offizielles Startdatum gibt es nicht, laut Medienberichten könnte der DCEP aber bei den olympischen Winterspielen 2022 in Peking eingesetzt werden.

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