Weltes Welt: Libra und die Hydra

18. Oktober 2019, 13:59
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Was die Krypto­währung mit der mytho­logischen Figur Hydra zu tun haben könnte, zeigt Kolumnist Beat Welte.

Was die Kryptowährung mit der mythologischen Figur Hydra zu tun haben könnte, zeigt Kolumnist Beat Welte.
Der Handelskrieg zwischen den USA und China beherrscht seit Monaten die Schlagzeilen. Und verdeckt den Blick auf einen ungleich wichtigeren Krieg: denjenigen um die Weltleitwährung. Der Gewinner in diesem Krieg steht noch nicht fest – der Verlierer aber schon: die USA.
Seit Monaten ist Washington auch an dieser Front vor allem defensiv-destruktiv unterwegs. Im Trump-Land kapriziert man sich vor allem darauf, die von Facebook geplante Krypto-Währung Libra zu sabotieren. "Ist Libra schon tot vor dem Launch",, den das US-Repräsentantenhaus am 2. Juli dieses Jahres an Facebook geschrieben hat: Das Unternehmen möge das Projekt fallen lassen, hiess es da in verblüffender Offenheit, weil damit die US-Geldpolitik und der Dollar konkurrenziert würden.
Seit dem Zweiten Weltkrieg hat der Dollar das britische Pfund als Weltleitwährung abgelöst. Ein Grossteil der Währungsreserven wird heute in Dollar gehalten und der grenzüberschreitende Handel wird überwiegend in Dollar abgewickelt. Diese Vormachtstellung hat den USA soviel Vorteile und Reichtum gebracht, dass schon früh dagegen angekämpft wurde: Bereits 1965 (!) wollte der französische Präsident Charles de Gaulle die Vormachtstellung des Dollars untergraben, vom Swift-Verkehr auszuschliessen.
Die Trump-Regierung hat mithin alles Interesse daran, den Status quo zu erhalten. Und China hat umgekehrt alles Interesse daran, das zu ändern: die bald grösste Wirtschaftsmacht der Welt will auch währungstechnisch den Ton angeben. Seit 2014 arbeitet das Regime an einer staatlichen "Krypto-Währung", welche die physische Währung Yuan ablösen soll. Gemäss Aussagen der People’s Bank of China steht diese Krypto-Währung unmittelbar vor dem Start. Bei Erfolg würde nicht nur die Vormachtstellung des Dollars untergraben, sondern auch die Swift als zentrale Schaltstelle internationaler Transaktionen umgangen. Nach dem niederländischen Gulden, dem britischen Pfund und schliesslich dem US-Dollar könnte das Digitalgeld "made in China" die globale Führungsrolle übernehmen.
Noch ist unklar, ob sich die Chinesen wirklich durchsetzen können. Denn es spricht vieles dafür, dass die "Krypto-Währung" nicht so ganz "krypto" sein wird, sondern für das Regime in Peking vielmehr ein weiteres mächtiges Instrument, Geldströme und damit die eigene Bevölkerung (und den Rest der Welt) zu überwachen. Das allein dürfte gerade auf den sensibilisierten Westen stark abschreckend wirken, und auch die USA werden sich wohl bald auf China einschiessen. Nur spricht auch vieles dafür, dass wie bei der mythologischen Hydra eingestiegen. Und sie wird nicht die letzte sein. Die USA können diesen Krieg gegen den Rest der Welt nicht gewinnen. (Beat Welte)
Beat Welte war über 25 Jahre in führenden Positionen bei verschiedenen grossen und kleinen IT-Unternehmen tätig. Er arbeitet heute selbständig als Strategie- und Kommunikationsberater – und ist kritischer Beobachter der IT-Branche. Für inside-it.ch und inside-channels.ch kommentiert er monatlich Marktveränderungen, bedeutsame Trends und Ankündigungen.

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