XP: Das Betriebssystem, das gut genug war

25. Oktober 2011, 09:15
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Der langsame Abschied von Windows XP: Heute feiert das immer noch weit verbreitete Betriebssystem seinen zehnten Geburtstag.

Der langsame Abschied von Windows XP: Heute feiert das immer noch weit verbreitete Betriebssystem seinen zehnten Geburtstag.
Genau zehn Jahre ist es her, dass Bill Gates, damals noch Chef von Microsoft, der Welt am 25. Oktober 2001 das neue Windows XP präsentierte. XP stand für "Experience" und Erfahrungen sollten die User damit später tatsächlich sammeln – viel mehr und vor allem viel länger, als von Microsoft ursprünglich vorgesehen.
Heute, zehn Jahre danach, ist XP immer noch eines der zwei am weitesten verbreiteten Computer-Betriebssysteme der Welt. Windows Vista erreichte nie auch nur annähernd die Verbreitung von XP, und laut Zahlen von StatCounter hat Windows 7, immerhin nun auch schon seit knapp zwei Jahren auf dem Markt, weltweit gesehen XP erst vor wenigen Wochen überholt. XP läuft laut StatCounter aber immer noch auf rund 35 Prozent der PCs weltweit. Es gibt auch Statistiker, die weiterhin XP an der Spitze führen.
Dabei deutete beim Launch von XP noch wenig auf diesen "Erfolg" - aus Sicht von Microsoft eine bittersüsse Angelegenheit - hin. Die Kritiken waren eher lauwarm und viele User waren einfach froh, dass man die hochgejubelte neue Oberfläche ohne grosse Umstände flugs auf die schnöde alte Win2000-Version umstellen konnte.
Die Gründe für die Langlebigkeit von WinXP ergaben sich erst später. Einerseits zeigte sich, dass XP für viele Anwender, auch heute noch, schlicht "gut genug" war, und zumindest keine Aversionen erweckte. Andererseits brachte Microsoft den Nachfolger Vista erst mit grosser Verspätung auf den Markt, und das neue Windows erwies sich schnell als unbeliebt. Das führte unter anderem dazu, dass viele Unternehmen sogar noch gegen Ende des Jahrzehnts von Windows 2000 auf XP migrierten, um Vista zu vermeiden. XP war zudem das erste Betriebssystem, dessen Vertrieb von PC-Herstellern zuerst eingestellt und dann später wieder aufgenommen wurde, nachdem Microsoft dem Druck des Marktes nachgeben musste.
Der "Vista-Flop" zeigte aber auch: Der Softwareriese konnte die Produktion eines Windows, das niemand wollte, locker wegstecken. Microsoft verdiente dadurch vielleicht einige eingeplante Milliarden Dollar nicht, weil weniger Migrationen stattfanden und das alte OS länger unterstützt werden musste, und verlor einiges Prestige, aber die Windows-Vorherrschaft bei PCs wurde, Quasi-Monopol sei Dank, höchstens minim angekratzt. Andererseits kann man sich fragen: Hätte Microsoft, wenn die Entwicklungsabteilung in einer entscheidenden Zeit nicht mit der notfallartigen Schnellentwicklung von Windows 7 absorbiert gewesen wäre, vielleicht wesentlich rascher und besser auf die Herausforderung durch iPhone, iPad und "Multitouch"-Bedienung reagieren können?
Wie dem auch sei, auch in den nächsten drei Jahren dürfte die Verbreitung von XP nur langsam nachlassen. Der Mainstream-Support wurde von Microsoft zwar im April 2009, rund drei Jahre später als geplant, eingestellt, aber bis April 2014 gibt es noch Security-Updates im Rahmen der Extended-Support-Phase. Bis dahin dürfte XP auch weiterhin für die User, deren alte PCs noch laufen, "gut genug" bleiben. (Hans Jörg Maron)
(Interessenbindung: Sie ahnen es vielleicht schon. Auch dieser Artikel wurde, wie es irgendwie sein muss, auf einem XP-PC geschrieben, und der User dieses PCs möchte nicht wirklich wechseln. Und ja: Die XP-Oberfläche lebte nur für die Dauer des Screenshots, bevor sie wieder der "klassischen" Ansicht weichen musste.)

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