SAP kündigte zwei weitere Schritte für den "für den geordneten Ausstieg aus unserem Geschäft in Russland" an. Zuvor hatte das Unternehmen aufgrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine bereits sein Neu- und Cloud-Geschäft in dem Land eingestellt.
Hinsichtlich seiner Cloud-Dienste hatte SAP nicht von Sanktionen betroffene Unternehmen bereits vor die Wahl gestellt, Daten löschen zu lassen, diese in Eigenregie zu übernehmen oder sie in ein Rechenzentrum ausserhalb von Russland zu überführen. Nun kündigten die Walldorfer an, die Verträge russischer Firmen, die sich für eine Migration der Daten ins Ausland entschieden hätten, nach Ablauf der Abonnementlaufzeit nicht zu verlängern.
Zudem beabsichtige SAP, den Support und die Wartung für Produkte, die auf lokalen Servern in Russland installiert sind, einzustellen. "Wir prüfen derzeit verschiedene Optionen, wie sich diese Entscheidung umsetzen lässt", teilte das Unternehmen mit. Das Hauptaugenmerk liege darauf, den rechtlichen Verpflichtungen gegenüber nicht-sanktionierten Kunden weiter nachzukommen. Bestehende On-Premises-Kunden in Russland könnten ihre Produkte unabhängig von der Entscheidung der Walldorfer weiter nutzen.
SAP ist gemäss der Mitteilung seit mehr als 30 Jahren im russischen Markt tätig. Während man den Betrieb im Land herunterfahre, "legen wir einen besonderen Schwerpunkt darauf, die Auswirkungen für unsere dortigen Mitarbeiter auf verantwortungsvolle Weise zu handhaben", so das Unternehmen, ohne weitere Details zu nennen. Gegenüber dem 'Handelsblatt' erklärte Hasso Plattner, dass SAP rund 1300 Mitarbeitende in Russland beschäftigt.
Der Rückzug von SAP aus Russland markiert einen Richtungswechsel, nachdem CEO Christian Klein Anfang März die Entscheidung von SAP verteidigt hatte, weiterhin Dienstleistungen für einige Branchen in Russland wie Energie, Gesundheitswesen und Handel anzubieten, die nicht direkt von den Sanktionen betroffen sind.