Ein Algorithmus zeigt Lokführerinnen und Lokführern die optimale Fahrstrategie an. So sollen Verspätungen minimiert und Energie gespart werden.
Lokführerinnen und Lokführern wird seit diesem Frühling angezeigt, wie viele Sekunden sie vor oder hinter dem idealen Fahrplan liegen. Damit wollen die SBB nicht nur ihre Pünktlichkeit verbessern, sondern auch ihren Energieverbrauch weiter senken.
Diese Anzeige erlaube es dem Lokpersonal, die Fahrweise optimal an die aktuelle Verkehrslage anzupassen – so lasse sich etwa energieintensives Beschleunigen verhindern, teilten die SBB mit.
Algorithmus berechnet Fahrstrategie
Die neue Pünktlichkeitsanzeige ergänzt bereits ergriffene Massnahmen für einen stabileren Fahrplan. So wurde 2020 das optimierte Fahrprofil (vPRO) eingeführt. Dieses teilt der Lokführerin oder dem Lokführer die optimale Fahrstrategie mit, die mit aktuellen Informationen zum Betrieb rund eine Stunde vor der Abfahrt berechnet wird, wie Matthias Tuchschmid, SBB-Programmleiter Energiesparen, ausführte.
Statt beispielsweise auf einem Abschnitt mit der möglichen Höchstgeschwindigkeit zu fahren und bei hohem Luftwiderstand viel Energie zu verbrauchen, um dann wieder abzubremsen und langsam dahinzurollen, gibt ein Algorithmus die zu fahrende Durchschnittsgeschwindigkeit an. Daraus resultiere eine pünktliche Fahrt.
Sekundengenaue Abweichung zum Fahrplan
Die im April eingeführte "PüA" zeigt dem Lokpersonal nun auf dessen Tablet auf einen Blick die sekundengenaue Abweichung zu den errechneten Zeiten des optimalen Fahrprofils an. Das Lokpersonal erhalte damit alle 30, 40 Sekunden ein Update und könne entsprechend früh reagieren, hielt Roland Aeschbacher, Projektleiter Energieeffizienz, dazu fest.
Foto: SBB
"Je höher die Pünktlichkeitswerte sind, desto tiefer ist die absolut ins Bahnstromsystem eingespeiste Strommenge", sagte Aeschbacher. Ein Zug, der pünktlich sei, könne energieeffizienter fahren. Und er blockiere zudem andere Züge nicht, die dadurch ebenfalls ohne unnötiges Bremsen und energieintensives Beschleunigen auf dem Netz unterwegs sein können.
Die SBB setzen auch mit dem Programm "Integrierte Produktionsplanung" bei der Personal- und Rollmaterialplanung auf KI. Ausserdem sollen Defekte auf Gleisen oder Prognosen für die Abnützung von Radsätzen bei Fahrzeugen automatisiert werden.