Scheitert der nächste Riese an Cloud-Gaming?

16. Dezember 2022, 07:00
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Foto: Sam Pak / Unsplash

Entertainment soll vermehrt in der Cloud stattfinden. Wir haben uns angeschaut, wer vorne mit dabei ist und wer sich vielleicht die Finger verbrennt.

Während die Verwendung von Cloud-Technologien in der Arbeitswelt je länger je mehr akzeptiert wird, gibt es für den Einsatz bei Behörden noch immer Probleme bei der Gesetzgebung und der Regulierung. Verschiedene Anbieter versuchen aber auch, die Vorteile der Cloud für Computerspiele anzupreisen. Unter anderem Sony, Microsoft und Amazon, aber auch der Grafikkartenher­steller Nvidia oder der französische RZ-Betreiber OVHcloud verkaufen solche Services, bei denen ein Grossteil der Rechenleistung von einer externen Quelle bezogen wird.
Ebenfalls in diesem Bereich mitmischen wollte Google. Das Unternehmen kündete seinen Markteinstieg 2018 mit der Plattform "Stadia" an. Fast alles sollte besser werden als bei der Konkurrenz. Trotz einer Partnerschaft mit Ubisoft hat Google aber bereits ein Jahr nach dem Release bekanntgegeben, dass künftig keine eigenen Spiele mehr entwickelt werden.
Das definitive Aus folgte dann Ende September 2022. Der Konzern verkün­dete, dass der Service per 18. Januar 2023 komplett eingestellt werde. Das Projekt missriet somit kläglich und Google sah sich dazu gezwungen, das Geld für die verkauften Computerspiele an die Nutzenden zurückzubezahlen. Der Suchriese scheiterte auf der ganzen Linie.

2 Anbieter dominieren

Auf dem Markt für Computerspiele gibt es 2 sehr mächtige Player: Die Spielkonsolenhersteller Sony und Microsoft. Cloud-Gaming funktioniert für die beiden so, dass die Nutzenden ihre gesamte Spielekollektion, die sie in den jeweiligen Stores erworben haben, auf verschiedenen Geräten spielen können. So können die Games mit einem entsprechenden Premium-Abonnement sowohl von verschiedenen Konsolen des Herstellers als auch vom Computer gestreamt werden. Beim Service der Xbox gibt es zudem die Möglichkeit, die Spiele auf dem Smartphone zu streamen.
Beide Firmen investieren derzeit viel Kapital in die Erweiterung ihrer Cloud-Infrastruktur. Gemäss 'CNBC' gibt es bei Sony seit Mai 2021 einen In­ves­ti­tions­plan im Umfang von 18,3 Milliarden Dollar für die nächsten 3 Jahre. Mit den Investitionen in das Cloud-Gaming will der japanische Konzern demnächst 1 Milliarde Entertainment-Kundinnen und Kunden erreichen.
Auch dick ins Cloud-Gaming-Geschäft investiert Microsoft. Die sogenannte xCloud läuft über die 54 Rechenzentren von Microsoft Azure und wird in 140 Ländern gehostet. Gemäss 'Golem.de' wurde im Juni 2021 die Rechenleistung für den Service deutlich erhöht, indem die Server-Blades auf der Basis der Xbox One durch solche der deutlich leistungsstärkeren Xbox Series X ersetzt wurden. Damit sollen bessere Grafiken dargestellt werden können.

Leistungsstarke Nischenprodukte

Anders als die beiden grossen Player, verfügen die kleinen Anbieter über keine eigenen Verkaufskanäle für Computerspiele, sie stellen also nur die Hardware zur Verfügung. Die Games müssen dabei über Stores wie diejenige von Microsoft oder Sony oder Alternativen wie Steam, Battlenet oder Epic bezogen werden. So können diese dann mit der externen Rechenleistung gespielt werden. Solche Angebote werden unter anderem vom Cloud-Betreiber OVHcloud aus Frankreich oder dem amerikanischen Grafikkartenhersteller Nvidia vertrieben.
Im Mai 2021 hat Octave Klaba, CEO von OVHcloud, das französische Startup Blade übernommen. Dieses hatte ab 2016 einen Cloud-Gaming-Service angeboten, musste aber trotz mehreren grossen Finanzierungsrunden Konkurs anmelden. Gemäss 'La Tribune' verfügte das Unternehmen zum Zeitpunkt der Insolvenz über mehr als 70'000 aktive Spielerinnen und Spieler. Nach der Übernahme wurde der Dienst umstrukturiert und wird neu als externer Computer für Business-Anwendungen vermarktet, auch wenn die Rechenleistung für so manches Spiel noch ausreichend wäre.
Bei Nvidia auf der anderen Seite wird voll auf Gaming gesetzt. Angeboten werden zwei kostenpflichtige Abonnements und ein kostenloser Service mit stark limitierter Spieldauer. Mit den gebührenpflichtigen Angeboten lassen sich je nach Preis Auflösungen von bis zu 4K und Bildwiederholfrequenzen von bis zu 120 Frames pro Sekunde erzielen. Ein Wert, der von keinem der anderen Cloud-Gaming-Anbieter erreicht werden kann. Das Netzwerk des Grafik­karten­herstellers besteht aus 9 Serverstandorten in Nordamerika und 6 in Europa.

Amazon auch am Ende?

Der jüngste aller Cloud-Gaming-Dienste kommt von Amazon. Im September 2020 hat der Onlinehändler seine eigene Plattform mit dem Namen Luna offiziell vorgestellt. Ein Angriff auf die beiden Grossen sollte es werden. Nach einer Pilotphase startete der Dienst im März 2022 in den USA. Wie 'Game­rant.com' berichtet, sollen aber bereits im Dezember dieses Jahres die ersten Games wieder aus dem Dienst verschwinden. Diese Entwicklung könne ein Beleg dafür sein, dass die Spiele-Streaming-Plattform nicht sehr lukrativ sei, schreibt das Magazin.
Mitte November sickerte dann durch, dass der Konzern 10'000 Stellen streichen möchte. Den Berichten zufolge sollen die Entlassungen vor allem die defizitäre Gerätesparte rund um die Echo-Lautsprecher und das Sprach­assistenzprogramm Alexa betreffen, aber auch die Spiele-Streaming-Plattform Luna. In verschiedenen Medien und auf Onlineforen wird deshalb bereits gewerweisst, ob der Dienst von Amazon auch bald eingestellt werden könnte.

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