Im letzten Herbst wurde die Selectline Software GmbH von Elvaston Capital Management übernommen. Der ERP-Anbieter entwickelt mit seinen 150 Mitarbeitenden Software für die gesamte DACH-Region. Mit dem neuen Geld wolle man weitere Beschäftigte anstellen und Firmen übernehmen, hiess es in einer Mitteilung. Bereits im Dezember 2021 kaufte Selectline den 45-köpfige ERP-Anbieter GDI aus Deutschland.
"Im Kern bleibt Selectline unverändert. Wir setzen weiterhin für den Vertrieb auf unseren Partnerkanal", versicherte der deutsche Geschäftsführer Andreas Scharff bei der Übernahme durch Elvaston Capital. Er und sein Gründungspartner Rainer Kuhn bleiben beteiligt und in den Chefpositionen, wie der Mitteilung zu entnehmen ist. Mit dem Schritt sei längerfristig die Nachfolgeregelung gesichert, hiess es von Scharff.
"Die Strategie passt perfekt zu Selectline"
Was in der Mitteilung keine Rolle spielte: Selectline zählt seit 2007 eine Ländergesellschaft in der Schweiz. Damals gründete Bernd Pfaff die St. Galler Selectline Software AG und übernahm den Vertrieb der Palette, die in der Schweiz Winware hiess. Bloss: Sage behauptete, die exklusiven Vertriebsrechte mitsamt dem Kundenstamm vier Jahre zuvor von Pfaff erstanden zu haben, der vormals Geschäftsleiter der St. Galler Winware AG war.
Es kam zum Rechtsstreit. Dieser sei aber eingestellt worden, sagt Pfaff heute.
Der Verkauf an Elvaston sei wohlüberlegt, erklärt er gegenüber inside-it.ch. Die Strategie der Privat-Equity-Gesellschaft passe ideal zu Selectline, da jeweils die Vorbesitzer in der Geschäftsleitung bleiben würden. "Ich bin ein Jahr nach der Übernahme überzeugt, dass ich in 5 Jahren noch Geschäftsführer in St. Gallen bin", so Pfaff, der gerade von einer Beiratssitzung in Berlin zurückgekehrt ist.
"Dann heisst es nur wieder, der Pfaff…"
Doch warum wurde die Übernahme in der Schweiz nicht öffentlich kommuniziert? Schliesslich gehört die deutsche Gesellschaft, die eine Mitteilung verschickt hat, zur selben Holding in Berlin wie der österreichische und der Schweizer Ableger. "Da hätte es nur in den Medien geheissen, der Pfaff hat wieder verkauft", sagt der Schweizer Geschäftsleiter etwas nebulös und ergänzt: Das interessiere doch niemanden. Ob er nach wie vor Anteile hält, will er nicht verraten, er erklärt nur: "Ein Teil der ehemaligen vier Partner ist weiterhin beteiligt."
Der Käufer Elvaston investiert strategisch in Anbieter von Unternehmenssoftware und zählt mittlerweile 20 Firmen in seinem Portfolio, darunter seit 2020 die Berner Softwarefirmen Evidence und seit letztem Jahr den Pfäffikoner BPM-Spezialisten Sowatec. Seit 2020 gehört auch Glaux Soft zu Elvaston, die Firma hat im Februar
mit dem frischen Geld Social Web und die Printcom Gruppe gekauft. Auch an Infoniqa hält Elvaston eine Minderheit. Die Privat-Equity-Gesellschaft hat ihre Aktivitäten hierzulande in den letzten zwei Jahren deutlich erhöht.
"Wir vier Partner entscheiden bei Selectline weiterhin", sagt Pfaff und ergänzt: "Man wird in der Schweiz noch einiges von uns hören". Bereits seien erste Übernahmekandidaten ins Auge gefasst worden. Für die hiesigen Kunden und Partner ändere sich nichts, betont der St. Galler. Das Geschäft laufe gut, letztes Jahr habe man den Umsatz mit den 20 Mitarbeitenden in St. Gallen um 16% gesteigert. Hierzulande zählt Selectline, wo die Software einst mal ihren Ursprung hatte, rund 200 Fachhandelspartner.