Der Kanton St. Gallen hat am Montag das schweizweit erste Pilotprojekt zu E-Collecting vorgestellt. Wie er mitteilt, hat der
Kantonsrat die gesetzlichen Grundlagen in der Herbstsession verabschiedet. Der Pilotversuch soll im Frühjahr 2026 starten.
Im Vergleich mit dem Sammeln von Unterschriften auf Papier biete das E-Collecting mehrere Vorteile, führt der Kanton aus. Es vereinfache das Unterschriftensammeln und verhindere falsche und mehrfache Unterzeichnungen, da die Unterschriften automatisiert mit dem Stimmregister abgeglichen würden. Dies entlaste auch die Gemeinden, da sie weniger handschriftliche Unterschriften bescheinigen müssten.
Die E-Collecting-Plattform wird laut Mitteilung von Abraxas Informatik entwickelt. Gemäss der Praxis des Kantons im Bereich der politischen Rechte wird auch der Quellcode der Plattform offengelegt. Dies ermöglicht es Sicherheitsforscherinnen und Sicherheitsforschern aus aller Welt, allfällige Schwachstellen aufzudecken.
Penetrationstests erwünscht
Der erste Schritt der Offenlegung startete im August im Rahmen eines privaten Bug-Bounty-Programms. Dabei konnten 80 ausgewählte Sicherheitsexpertinnen und -experten auf den Quellcode der Plattform zugreifen und Penetrationstests lancieren. Die Ergebnisse seien in die Weiterentwicklung der Technologie eingeflossen.
Jetzt kündigt der Kanton an, das Programm für die gesamte Öffentlichkeit zugänglich machen zu wollen. Alle interessierten Fachpersonen haben die Möglichkeit, den Quellcode und die Dokumentation zu studieren. Für Prüfungen steht eine Testversion der Plattform zur Verfügung, auf der Angriffsversuche simuliert werden können. Jede Meldung zu bisher unbekannten Schwachstellen wird mit Prämien von bis zu 30'000 Franken belohnt. Das Bug-Bounty-Programm werde auch nach dem Start des Pilotversuchs fortgeführt.
Da beim E-Collecting die zweifelsfreie Identifikation der unterzeichnenden Personen von höchster Wichtigkeit ist, stellt der Kanton auch die Anmeldeverfahren auf den Prüfstand. Sowohl das kantonale E-Login als auch der zugrundeliegende Authentifizierungsdienst Agov werden in ein öffentliches Bug-Bounty-Programm überführt. Das Programm von E-Login wird durch den Kanton betrieben, dasjenige von
Agov finde auf der Plattform des Bundesamts für Cybersicherheit (Bacs) statt, so der Kanton.