Suse will Red Hat Enterprise Linux forken

11. Juli 2023 um 13:21
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Illustration: Bing Image Creator

Nachdem Red Hat den Zugang zum RHEL-Sourcecode eingeschränkt hatte, will Suse eine freie, kompatible Version entwickeln und pflegen. 10 Millionen Dollar nimmt das Unternehmen dazu in die Hand.

Red Hat hat kürzlich bekannt gegeben, den Quellcode von Red Hat Enterprise Linux (RHEL) nicht mehr öffentlich zur Verfügung zu stellen. Das vor etwa 2 Jahren neu geschaffene CentOS Stream soll gemäss der IBM-Tochter "das einzige Repository für öffentliche RHEL-bezogene Quellcode-Veröffentlichungen sein".
Aus lizenzrechtlicher Sicht sei das in Ordnung. Denn für Kunden und Partner sei der Quellcode weiterhin über das Kundenportal verfügbar. Ferner stelle man RHEL-Lizenzen für Entwickler und Open-Source-Projekte kostenlos bereit, erklärte Red Hat. Problematisch aber könnte die Neuerung für die Community werden, besser gesagt, für die Anbieter von kompatiblen Nachbauten. Denn diese Anbieter freier Linux-Distributionen wie Almalinux und Rocky Linux verlieren damit Zugang zu ihren Quellen.

Suse will zur Hilfe eilen

Jetzt wirft sich Suse in den Ring. Das Open-Source-Unternehmen verspricht einen Fork von RHEL, der allen Nutzern frei zur Verfügung stehen soll. Man werde eine RHEL-kompatible Distribution entwickeln und pflegen, die für alle ohne Einschränkungen verfügbar sei, so Suse.
Untermauert wird das Engagement mit der Ankündigung, in den nächsten Jahren mehr als 10 Millionen Dollar in das Projekt stecken zu wollen. "Diese Investition wird den Innovationsfluss für die kommenden Jahre aufrechterhalten und sicherstellen, dass Kunden und Community nicht an einen bestimmten Anbieter gebunden sind und auch morgen noch eine echte Wahl haben", so Suse-CEO Dirk-Peter van Leeuwen.
Das Projekt soll künftig bei einer Stiftung liegen. Mehr Details dazu sind noch nicht bekannt. Auch einen Namen für die Linux-Distribution gibt es noch nicht.

Am Anfang: CentOS Stream

2019 stellte Red Hat CentOS Stream erstmals vor. Kurz darauf kündigte das Unternehmen an, das klassische CentOS einstellen zu wollen. Bis dahin stellte Red Hat neue Features über die Distribution Fedora bereit. Diese wurden stabilisiert und in RHEL integriert. Aus den Quellen von RHEL wiederum entstand CentOS als kompatibler Nachbau.
CentOS Stream ist eher auf die Bedürfnisse von Entwicklern ausgerichtet. Die Version soll Entwicklern schnellen Zugriff auf neue Tools liefern.
Red Hat schreibt: "Vor CentOS Stream hat Red Hat die öffentlichen Quellen für RHEL auf git.centos.org veröffentlicht. Als sich das CentOS-Projekt auf CentOS Stream konzentrierte, behielten wir diese Repositories." Die Pflege eines zweiten, separaten Repositorys sei aber nicht mehr effizient, so dass das Vorgehen beendet wird.

Red Hat verteidigt den Schritt

Wer auf CentOS setzte, erhielt im Prinzip RHEL kostenfrei, denn ein Support-Abo, wie es für die Red-Hat-Version nötig ist, muss nicht bezahlt werden. Zu den CentOS-Kunden gehörten auch grosse Unternehmen.
Red Hat erntete für den Schritt viel Kritik. Das Unternehmen rechtfertigte sich und betonte, man widerspreche damit nicht dem Open-Source-Grundsatz. Man habe keinerlei Verpflichtung, diese Quelle weiterhin zu pflegen. Red Hat stelle den Code Upstream zur Verfügung. Davon – sowie auch vom Support – profitiere die gesamte Community, schreibt Mike McGrath, VP Core Platforms Engineering bei Red Hat.
Nicht mit dem Open-Source-Gedanken verbunden seien Dritte, die diese Arbeit lediglich im Downstream mit einem neuen Namen versehen und anschliessend neu verpacken und von ihr profitieren. Ob Mike McGrath hiermit Almalinux oder Rocky Linux meint, ist offen – er nennt keine Namen. Frühere Projekte auf Basis der CentOS-Quellen hätten eigene Arbeit geleistet, von der auch RHEL einen Nutzen gezogen habe. Das schlichte neu verpacken, ohne einen Mehrwert zu schaffen, sei eine "echte Bedrohung für Open Source und habe das Potenzial, Open Source wieder zu einer reinen Hobby- und Hacker-Aktivität zu machen", so Mike McGrath.

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