Vor 24 Jahren: das teure Y2K-Problem

5. Januar 2024 um 08:04
  • kolumne
  • IT-Geschichte
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Illustration: Erstellt durch inside-it.ch mit Dall-E / GPT-4

Weil früher Entwicklerinnen und Entwickler nur die letzten zwei Ziffern von Jahreszahlen verwendeten, fürchtete sich die IT-Welt am 31. Dezember 1999 vor dem Kollaps. Obwohl nichts passierte, können heutige Regierungen von damals lernen.

"Wir waren schon ein bisschen nervös", sagte uns der ehemalige Swisscom-Chef Jens Alder in einem Gespräch anlässlich des 25. Jahrestages der Telekom-Liberalisierung. Alder sprach über den Millenium-Bug oder das Y2K-Problem, das viele Unternehmen und Behörden in der Silvesternacht vom 31. Dezember 1999 beschäftigte.

100 Milliarden in Prävention investiert – nur in den USA

Rund um den Globus wurde befürchtet, dass beim Übergang zum Jahr 2000 (von "99" zu "00") viele Computersysteme das Jahr 1900 statt 2000 erkennen – und deshalb kollabieren würden. Grund für die Panik war, dass Entwicklerinnen und Entwickler Jahreszahlen damals meist nur mit den letzten zwei Ziffern darstellten und nicht daran dachten, dass sich diese dereinst wiederholen könnten. Nur zwei statt vier Zeichen zu schreiben, bedeutete Geld sparen. Speicherplatz kostete damals noch ein Vermögen.
Viele Regierungen und Unternehmen weltweit investierten dementsprechend Milliarden von Franken, Pfund, Kronen, Dollar, Mark, Francs und Lire (ja, damals gab es den Euro noch nicht) in Software-Updates, Tests und viele weitere Massnahmen. Dies, um sorgenfrei ins neue Jahrtausend zu rutschen und nicht "zwüschabe" zu fallen, wie man auch heute landläufig noch gerne sagt. Mehr als 100 Milliarden waren es allein in den USA, wie das 'Wall Street Journal' im November 1999 festhielt.

Als in Australien und Asien wenig passierte, verschwand die Nervosität

Waren es im Rückblick unnötige Investitionen? Nun, gefeuert wurde deshalb wohl niemand. Denn Angst hatten alle, dass die IT-Systeme im Jahr 2000 nicht mehr korrekt funktionieren würden. Oder noch schlimmer: Dass Vermögenswerte vernichtet werden oder globale Stromnetze zusammenbrechen. Solche Weltuntergangsszenarien wurden für möglich gehalten – schlicht, weil niemand wusste oder erahnen konnte, was um Mitternacht tatsächlich passieren würde.
So war es auch bei Swisscom. Erst nachdem festgestellt wurde, dass in Australien und Asien wenig bis nichts passierte, habe sich die Nervosität mit der Zeit etwas gelegt, sagte uns Jens Alder lachend.

Heutige Regierungen könnten aus dem Vorfall lernen

Denn tatsächlich: Trotz der globalen Panik passierte: nichts. Die meisten Systeme funktionierten auch nach Mitternacht wie vorgesehen, und es gab keine grossen Ausfälle oder Katastrophen. Zum Glück.
Was lässt sich aus dieser Geschichte lernen? Rückblickend ist spannend, dass Expertinnen und Experten frühzeitig vor der möglichen Gefahr warnten – und die Regierungen rund um den Globus tatsächlich zuhörten und global zusammenarbeiteten. Das ist ein Konzept, an das man sich heute gerne mal wieder zurückbesinnen dürfte. Die heutigen Herausforderungen in puncto Künstliche Intelligenz oder Cybersicherheit sind zumindest rückblickend gesehen sicher grösser als damals.

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