Warum die neue Steuersoftware in St. Gallen 253 Millionen kostet

12. September 2023 um 06:29
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Illustration: Erstellt durch inside-it.ch mit Midjourney

Der Regierungsrat beantragt einen Nachkredit für das Grossprojekt. Gleichzeitig erfolgte der Zuschlag an Emineo. Das kantonale Steueramt erklärt uns die Kosten.

Die St. Galler Regierung beantragt beim Kantonsrat einen Nachtragskredit von 30,1 Millionen Franken für das Projekt neue Steuersoftware, wie sie am 8. September mitteilte. Insgesamt belaufen sich die veranschlagten Kosten für das Grossprojekt jetzt auf 73,9 Millionen.
Gleichzeitig teilte der Kanton mit, dass er sich bei der Ausschreibung "IT Steuern SG+" für eine Gesamtlösung von Emineo aus Baar entschieden habe. "Dieser Anbieter hat das wirtschaftlich günstigste Angebot eingereicht." Der entsprechende Zuschlag wurde inzwischen auf Simap publiziert. Eingegangen waren 4 Angebote. Der Gesamtpreis inklusive Optionen für Emineo wird im Zuschlag mit rund 253 Millionen Franken angegeben.

57 Millionen als direkte Projektkosten

Wie erklärt sich dieser hohe Betrag im Verhältnis zum beantragten Kredit von 73,9 Millionen Franken? Wir haben nachgefragt: Die Vergabesumme von 253 Millionen setze sich gemäss den in der Simap-Publikation aufgeführten Grundleistungen und Optionen zusammen, führt Felix Sager, Leiter des Steueramtes St. Gallen, aus. "Rund 57 Millionen Franken von dieser Summe fallen als direkte Projektkosten für die Leistungen des Zuschlagsempfängers (Emineo) an. Die restlichen knapp 200 Millionen betreffen Leistungen für den Betrieb der Steuerlösung für einen Zeitraum von 16 Jahren, welche mehrheitlich als Option ausgeschrieben sind."
Diese 57 Millionen seien auch in die Projektbudgetierung von 73,9 Millionen Franken eingeflossen. Zu den Leistungen des Gesamtpakets mit Optionen erklärt Sager: "Diese Betriebsleistungen inkludieren unter anderem Wartung und Weiterentwicklung der Steuerlösung, grundlegende Leistungen des Applikationsbetriebs, beispielsweise Second- und Third-Level-Support, Software as a Service, First-Level-Support, Druck und Verpackung."
"Sobald die neue Steuerlösung eingeführt ist, muss diese auch betrieben werden", betont er. "Die Kosten für diesen Betrieb sind zwangsläufig öffentlich auszuschreiben. Gemäss Strategie des Kantons St. Gallen soll der Betrieb der neuen Steuerlösung durch den Lieferanten erfolgen. Um nicht zwei separate Ausschreibungen durchführen zu müssen, was organisatorische Mehrkosten verursacht hätte, wurde im Rahmen der Ausschreibung 'IT Steuern SG+' neben der Einführung der neuen Steuerlösung auch deren Betrieb ausgeschrieben."

Durch Ablösung Einsparungen von 13 Millionen pro Jahr

Da die heutigen Altsysteme – verschiedene Fachapplikationen von Abraxas und Ingtes – durch die Einführung der neuen Gesamtlösung ausser Betrieb genommen werden, würden die heutigen Betriebskosten aus dem kantonalen Budget entfallen. "Diese Betriebskosten der Altsysteme werden zu einem Teil durch die Betriebskosten der neuen Gesamtlösung ersetzt." Die Betriebskosten der neuen Gesamtlösung seien jedoch "signifikant günstiger" als diejenigen der heutigen Systeme. Deshalb würden sich ab Einführung der neuen Gesamtlösung Einsparungen für den Kanton in Höhe von rund 13 Millionen Franken pro Jahr ergeben.
Bereits vor dem Zuschlag an Emineo hatte der Kanton weitere Aufträge für das Projekt erteilt. Amtsleiter Felix Sager schlüsselt die verschiedenen Anteile wie folgt auf: "Die Kosten für den Implementierungspartner belaufen sich auf rund 77% des Gesamtbudgets (Sonderkredit plus Nachtragskredit). Die restlichen Kostenstellen des Gesamtbudgets sind für externe Unterstützung wie Beschaffung, Projektleitung, PMO, QRM, Architektur-Ressourcen, Testing, Business-Analyse etc., Leistungen des bestehenden Lieferanten (Migration) und die Einführung der Veranlagungsapplikation für die Erbschafts- und Schenkungssteuer."
Der Nachtragskredit wird im Rahmen des Budgets 2024 im Kantonsrat beraten. Wie der Regierungsrat mitteilte, stehe der Vertragsabschluss unter Vorbehalt der Gewährung dieser zusätzlichen Finanzen. Zum Zeitplan heisst es im Pflichtenheft: "Alle zur Konzeptphase gehörigen Lieferobjekte müssen bis Ende 2024 erbracht worden sein." Danach erfolgt die Realisierungs- und Einführungsphase.

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