Wegen Vüpf-Revision: Proton zieht sich aus der Schweiz zurück

24. Juli 2025 um 10:23
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Illustration: zVg

Proton ist eigentlich eine der grossen Schweizer Internet-Erfolgsgeschichten. Anscheinend nicht mehr lange.

Laut einem Bericht des 'Tages-Anzeiger' (Paywall) plant Proton keine weiteren Investitionen in der Schweiz. Im Gegenteil, die Präsenz und Belegschaft hierzulande wird reduziert. Das Rechenzentrum in Genf sei bereits geschlossen worden, sagte Andy Yen, der CEO des Genfer Anbieters von sicheren E-Mail- und anderen Internet-Services, gegenüber der Zeitung.
Aktuell, so berichtet der 'Tages-Anzeiger', baue Proton für 100 Millionen Euro Rechenzentren in Deutschland und Norwegen. Über die nächsten zehn Jahre wolle Proton insgesamt eine Milliarde Franken in anderen europäischen Ländern investieren und dort Tausende Jobs schaffen.
Der Grund, so Yen, sei die vom Bundesrat geplante Revision der Verordnung über die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (Vüpf). Diese würde auch Proton unter anderem neu dazu verpflichten, Kundendaten zu sammeln und sechs Monate lang auf Vorrat zu speichern.
Mit der geplanten Vüpf-Revision würde gemäss Yen der Schutz der Privatsphäre und von Daten hierzulande komplett aufgeweicht. Die Datenspeicherung auf Vorrat sei in der EU generell verboten, und selbst im "US-Überwachungsstaat" sei sie nicht vorgesehen, wird er im 'Tagi' zitiert.

Proton kann nicht warten

Auch weitere Schweizer Internet-Unternehmen wie Threema haben bereits gegen die Revision protestiert. In der Vernehmlassung ist sie komplett durchgefallen, sämtliche grossen Parteien und zahlreiche Verbände lehnen das Vorhaben klar ab.
Der Bundesrat verteidigt seine Pläne zwar weiterhin hartnäckig, aber bei so viel Widerstand in der Politik und von der Wirtschaft dürfte es noch Anpassungen an der Verordnung geben.
Proton kann mit seinen Investitionen aber laut Yen nicht warten, bis es mehr Klarheit zur Ausgestaltung gibt. Sein Unternehmen könne sich keine zwei Jahre Planungsstillstand leisten. In Europa gebe es einen grossen Nachfrageschub nach in der Region gehosteten Services. Wenn man zuwarte, so warnt er, könnten die grossen Techkonzerne bis in einigen Jahren schon alle vorhandenen europäischen Fachkräfte sowie auch Hardware und anderes aufgekauft haben.

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