Hätte eine Netzwerküberwachung die Skyguide-Panne verhindern können?

19. Dezember 2022 um 13:35
image
Foto: Fabian Joy / Unsplash

In einem Bericht des Uvek wird das Krisen­management der Flug­sicherungs­behörde zwar gelobt, im Bereich der IT wurden aber auch zahlreiche Mängel aufgedeckt.

Der Entscheid von Skyguide zur Schliessung des Schweizer Luftraums wegen einer technischen Störung war angemessen. Zu diesem Urteil kommt eine externe Untersuchung im Auftrag des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Das Krisenmanagement der Flugsicherung habe am 15. Juni 2022 gut funktioniert. Der Entscheid sei angemessen gewesen, weil nicht vorhersagbar gewesen sei, welche Aus­wirk­ungen die Störung habe und wann sie behoben werden könne, heisst es in einer Mitteilung des Departements.
Dass ein ausgefallener Switch die Störung ausgelöst hat, wurde von der Unter­suchung ebenfalls bestätigt. Die Netzwerkkomponente habe nicht über die aktuellste Version der Software verfügt. Skyguide habe zwar einen funk­tio­nier­­­en­­den Prozess für die Aktualisierung der Netzwerkkomponenten. Dieser ist aber aus der Sicht der unabhängigen Prüfer zu risikoorientiert und zu konservativ.
Möglicherweise hätte der Vorfall mit einem früheren Update verhindert werden können. Zudem fehlt Skyguide laut dem Bericht eine lückenlose Netzwerküberwachung. Diese hätte am Tag des Ausfalls zu einer effizienteren Analyse des Fehlers beitragen können und so möglicherweise zu einer rascheren Behebung der Störung geführt.

Unzählige Verbesserungsvorschläge

Insgesamt enthält der Untersuchungsbericht 14 Empfehlungen zur Ver­bes­serung der Flugsicherung. Dazu gehört der Aufbau eines Betriebs­kontinuitäts­managements, um die für die Flugsicherung kritischen Prozesse und Systeme besser zu schützen oder alternative Abläufe zu ermöglichen.
Im Rahmen einer umfassenden Notfallwiederherstellungsstrategie sollen auch Massnahmen erarbeitet werden, die nach dem Ausfall von IT-Komponenten eingeleitet werden. Ziel der Empfehlungen ist es, die Zeitspanne zwischen dem Ausfall und der Wiederaufnahme der Flugsicherung zu verkürzen.
Der Bericht in englischer Sprache (PDF) empfiehlt weiter, dass die Betriebs­prozesse für das Krisenmanagement im Netzwerk vertieft und das Firmware-Upgrade-Management optimiert werden. Zudem sollen die Ausbildungs­prozesse für die Netzwerktechnologien verbessert und die notwendigen Fähigkeiten in Bezug auf die von Skyguide eingesetzten Technologien neu bewertet werden.

Notfall-Checkliste anpassen

Weiter sollen die Informationen zur Verfügbarkeit der Systeme gegenüber den Flugverkehrsleitenden verbessert und die Notfall-Checkliste für deren Supervisor adaptiert werden.
Das Uvek schreibt, dass Skyguide aufgrund einer eigenen Untersuchung bereits mit der Umsetzung von verschiedenen Massnahmen begonnen habe. Die Flugsicherungsbehörde werde nun auch die Empfehlungen der unab­hängigen Untersuchung umsetzen, damit die Sicherheit der kommerziellen Luftfahrt in der Schweiz erhalten und die Flugsicherung auch bei wachsender Komplexität robust genug bleibe.
Die Netzwerkpanne bei Skyguide hatte den gesamten Flugverkehr über der Schweiz lahmgelegt. Rund 100 Flüge wurden annulliert oder umgeleitet. Tausende Passagiere waren vom Vorfall betroffen. Der Totalausfall war eine Premiere in der Geschichte der Schweizer Flugsicherung.

Loading

Mehr zum Thema

imageAbo

Wartung für Supercomputer verschlingt Millionen

Die Herstellerfirma HPE unterstützt das nationale Hochleistungsrechenzentrum bei der Wartung des Supercomputers "Alps". Dafür werden Millionenbeträge fällig.

publiziert am 23.7.2026
image

China will das grösste KI-Modell entwickelt haben

Ein Startup namens Moonshot hat ein Open-Source-Sprachmodell mit 2,8 Billionen Parametern präsentiert.

publiziert am 17.7.2026
image

Kommando Cyber verabschiedet sich von Microsoft

Statt mit M365 sollen die Cyberspezialisten der Armee schon ab Oktober mit Opendesk arbeiten. Grund ist der "US Cloud Act".

publiziert am 13.7.2026
image

Apple klagt gegen OpenAI

Der Konzern wirft dem KI-Unternehmen den Diebstahl von Firmengeheimnissen vor. Im Fokus steht die Entwicklung von Hardware.

publiziert am 13.7.2026