Skyguide-Panne hätte mit Neustart verhindert werden können

8. November 2022 um 16:23
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Skyguide-Tower am Flughafen Zürich. Foto: Faldrian / Flickr / Lizenz: CC BY 2.0

Der Vorfall aus dem Juni wird noch immer untersucht. Ein EFK-Bericht aus dem Februar zeigt aber, dass die IT-Probleme bei Skyguide bereits bekannt waren.

Am 15. Juni 2022 legte eine Informatikpanne bei der Flugsicherung Skyguide den gesamten Flugverkehr über der Schweiz für mehrere Stunden lahm. Später kam dann heraus, dass ein ausgefallener Switch die Ursache für das Debakel war, welches mit modernerer Technik hätte verhindert werden können. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) und das Departement für Verkehr, Umwelt, Energie und Kommunikation (Uvek) haben entsprechende Verfahren eröffnet.
Nun zeigen Recherchen des Online-Magazins 'Republik', dass die Informatik der Schweizer Flugsicherung nicht einmal den Minimalanforderungen des Bundes für kritische Infrastruktur genügt. Zudem sei der Vorfall anders abgelaufen, als er bisher in den Medien dargestellt wurde, schreibt das Magazin.

Neustart hätte gereicht

Bisher wurde davon ausgegangen, dass der ausgefallene Switch einen Defekt vorwies. Wie 'Republik' jetzt aber schreibt, hätte das entsprechende Gerät nur neu gestartet werden müssen. Zudem sei ein Software-Update des Herstellers bereits verfügbar gewesen, aber noch nicht eingespielt worden. Und auch Warnungen des Systems seien noch zwei Tage zuvor als Fehlalarm taxiert worden.
Zudem sei nach dem Ausfall des Switches zu viel Zeit vergangen, bis die Systeme neu gestartet wurden, insbesondere weil in der betroffenen Nacht kein Pikettpersonal am Standort in Dübendorf zur Verfügung stand. So konnte das Problem erst am Morgen mit dem Eintreffen der regulären Arbeitskräfte behoben werden. Für alle anfallenden Wartungsarbeiten fehle es bei der Flugsicherung schlicht an genügend befugtem Personal. Zudem sei der Bereich der Wartung in den letzten Jahren vernachlässigt worden, schreibt das Online-Magazin.

Fehlende Datenflussüberwachung und Georedundanzen

Bis die Panne schlussendlich identifiziert wurde, verstrichen mehrere Tage. In einem bisher unveröffentlichten Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (PDF) wurde bereits im Februar 2022 kritisiert, dass in der "historisch gewachsenen Tool-Landschaft" zu viele verschiedene Monitoringtools verwendet werden und die Überwachung der IT-Systeme aufgrund ihrer Vielfältigkeit im Notfall kein vollständiges Lagebild geben kann.
Skyguide hofft, dass sich dies mit der Einführung des Projekts Virtual Centre verbessert. Dabei soll der Flugverkehr über der Schweiz, der derzeit noch in Ost und West aufgeteilt ist, zu einem einzigen virtuellen Luftraum zusammengeführt werden. Das einzige Problem dabei: Es wird nur eine einzige Serverinfrastruktur und somit keine Georedundanzen geben.
Dies könnte schlussendlich dazu führen, dass der gesamte Schweizer Luftraum erneut wegen einer Informatikpanne gesperrt werden muss. Skyguide baute sich in Dübendorf eine eigene Cloudinfrastruktur auf, die von DXC Technology aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia überwacht wird. Das Management beauftragte damit eine externe Firma, weil diese über bessere Spezialisierungen verfügte und dabei auch noch günstiger war.
Weder das Bazl noch die europäischen Luftraumbehörden machen Vorgaben dazu, wie ein Rechenzentrum betrieben werden muss. Dies sei ein wirtschaftlicher Entscheid von Skyguide, so das Bundesamt gegenüber dem Magazin. "Dass bei der Schweizer Flugsicherung wirtschaftliche Interessen stärker gewichtet werden als minimale Sicherheitsstandards, ist erschreckend", sagte dazu der grüne Nationalrat Balthasar Glättli gegenüber 'Republik'.

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