Kanton will Informatikprojekt der Berner Polizei durchleuchten

19. August 2022, 09:35
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Unzufriedene Nutzer, Mehrkosten und Verzögerungen: Das Informatikprojekt "Rialto" der Berner Kapo gibt zu reden. Nun will es die GPK des Grossen Rats durchleuchten.

Rialto von Deloitte ist im April mit 2 Jahren Verspätung bei der Berner Kantonspolizei in Betrieb genommen worden. Aber als ob die Verzögerung und die Kostenexplosion mit 3 Zusatzkrediten nicht genug wären, bemängeln die Anwender, dass die Software "fehleranfällig und langsam" sei.
Die von verschiedenen Medien, unter anderem auch von inside-it.ch, publizierte Kritik hat nun den Bernischen Grossen Rat, das Kantonsparlament, auf den Plan gerufen. Dessen Geschäftsprüfungskommission (GPK) will das Informatikprojekt durchleuchten.
Nach Auffassung der Kommission rechtfertigen sowohl die Vorgeschichte als auch die ersten Erfahrungen der Anwenderinnen und Anwender eine solche Überprüfung. Die GPK will wissen, was mit den Krediten, welche der Grosse Rat seinerzeit sprach, umgesetzt worden ist und inwieweit die damals gesetzten Ziele erreicht worden sind.
Die Abklärungen der Kommission sollen im Frühling 2023 starten, ein Jahr nach Einführung des Systems bei der Kantonspolizei.

Vor 8 Jahren als "innovatives Projekt" angekündigt

Mit "Rialto" sollen bei der Kantonspolizei und bei der Staatsanwaltschaft mehrere Informatikprogramme abgelöst werden. 2016 sprach der Grosse Rat Gelder in der Höhe von 13,5 Millionen Franken. Angekündigt wurde ein innovatives Projekt, das es so in der Schweiz noch nicht gegeben habe. Unter anderem sollten die Abläufe zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft durchgehend digitalisiert und vereinheitlicht werden.
Doch das Grossprojekt kam ins Stottern, kostete mehr und fuhr Verzögerungen ein.
Zuletzt wurde auch noch kritisiert, dass etwa die Bearbeitung eines einfachen Ausweisverlusts am Schalter fast eine Stunde dauert. Mit der alten Software sei das in fünf Minuten erledigt gewesen. Auch soll es vorgekommen sein, dass nach Abschluss von Einvernahmen sämtliche Aussagen der Betroffenen verloren gegangen sind. Die Einvernahme habe wiederholt werden müssen.
Die Polizeiverantwortlichen betonten angesichts dieser Kritik, dass die Einführung der Software als "Generationenprojekt" zu werten sei. Die Einführung einer solchen Anwendung dürfe gerade bei der Ausbildung und Angewöhnungszeit im Alltag nicht unterschätzt werden. Ausserdem seien viele Fehler bereits lokalisiert und behoben worden.

Basel will Rialto ebenfalls einführen

Auch im Kanton Basel-Stadt ist die Einführung von Rialto geplant. Doch auch hier kam es zu Verzögerungen. Eine freihändige Vergabe von SAP-Lizenzen wurde Ende 2018 publiziert. Dagegen wurde Rekurs ergriffen, der dann ein Jahr später (Ende 2019) vom Gericht abgewiesen wurde, wie Toprak Yerguz, Leiter Kommunikation des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements, erklärte. Im Nachhinein habe sich diese Verzögerung als "Glücksfall" erwiesen. "Basel-Stadt kann nun von den Erfahrungen in Bern profitieren", sagte uns Yerguz.

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