Der Detailhandelskonzern Schwarz will sein IT-Geschäft massiv ausbauen. Ein klarer Hinweis ist die Tatsache, dass das Kommanditkapital der entsprechenden Tochtergesellschaft Schwarz IT KG von 100'000 Euro auf 380 Millionen Euro aufgestockt wurde.
Dies recherchierte die
'Lebensmittelzeitung' – und das Fachblatt mutmasst, dass die IT-Tochter wohl bald in einer eigenständigen Division ausgesondert werden dürfte. Das Unternehmen nahm nicht dazu Stellung.
Die Schwarz Gruppe besteht bislang aus den vier Bereichen Lidl, Kaufland, Schwarz Produktion und Prezero (Recycling). In diesem Mix sticht nun der 380-Millionen-Brocken der IT-KG hervor: Die Kaufland Stiftung hat ein Kommanditkapital von 11 Millionen Euro, die Lidl Stiftung von 6 Millionen Euro, und Lidl Deutschland ist mit 180 Millionen Euro Grundkapital ausgestattet.
Der IT-Bereich von Lidl hatte im letzten Jahr einen Umsatz von 1 Milliarde Euro, die allerdings weitgehend konzernintern erzielt wurden. Aber zugleich begann sie vor einem Jahr,
ihre Cloud- und Colocation-Services extern anzubieten. Der Name der entsprechenden Firma: Stackit.
Eine europäische Alternative zu den Hypescalern?
"Die Digitalisierung schreitet in allen Teilen der Gesellschaft unaufhörlich voran. Dabei spielt die Cloud als Basistechnologie eine immer wichtigere Rolle", sagte der Chef von Schwarz IT, Christian Müller, damals.
Der gesamte Cloud-Markt werde von aussereuropäischen Anbietern dominiert. Mit Stackit wolle der Konzern aus Baden-Württemberg seinen Kunden "eine souveräne europäische Alternative" anbieten. Der aktuelle Firmen-Claim lautet: "Die deutsche Cloud Ihres Vertrauens."
Bislang konzentrierte sich Stackit auf Angebote für kleine und mittlere Unternehmen. Das europaweite Team umfasst rund 150 Angestellte – und es arbeitet, so Müller, stetig an der Weiterentwicklung und Erweiterung des Serviceportfolios.
"Der Anspruch ist, den europäischen Cloud-Markt nachhaltig mitzugestalten", schliesst die 'Lebensmittelzeitung' aus den damaligen Ankündigungen und der massiven Kapitalumschichtung, die nun bekannt wurde.
Es wäre der neuste Versuch, die Hyperscaler zu konkurrenzieren, die mittlerweile mit eigenen Regionen in ganz Europa präsent sind. Im letzten Herbst flossen
drei Viertel der europäischen Cloudausgaben in die USA. Vom alten Kontinent fanden sich lediglich SAP und die Deutsche Telekom unter den Topanbietern – auf die Plätze 7 und 8 verwiesen.