Opacc: Neues GUI (bald), neue Führung (später)

22. März 2024 um 10:09
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Beat Bussmann gibt die operative Leitung bald ab. Foto: zVg

Beat Bussmann, Gründer und langjähriger CEO der Luzerner Opacc, zieht sich 2025 in den VR zurück. Die Business-Lösung von Opacc erscheint am 1. April mit einem völlig neuen Look & Feel.

Der Luzerner Software-Anbieter Opacc gehört zu den ganz wenigen unabhängig gebliebenen Playern im Schweizer Markt. Und wird es auch bleiben – Opacc hat eine Lösung für die Nachfolge des Gründers, CEOs und Mehrheitsaktionärs Beat Bussmann gefunden. Bussmann skizzierte die künftige Struktur des zweitgrössten Schweizer Standard-Software-Anbieters im Podcast KMUStorys des Swiss Venture Clubs. Die wichtigste Aussage: Bussmann wird seine Anteile an Opacc nicht verkaufen, doch das Unternehmen wird eine neue Führung erhalten. Bussmann selbst wird Anfang 2025 den Posten als CEO abgeben und sich in den Verwaltungsrat zurückziehen. Die Leitung des Unternehmens wird künftig die Geschäftsleitung bestehend aus Executive Partnern übernehmen. Aus diesen wird rotierend der CEO als Managing Partner rekrutiert.
Die neue Struktur wird zwar markant anders sein, allerdings nicht völlig neu. Bereits heute sind rund 20 Mitarbeitende an Opaccc beteiligt und werden auf der Webseite als "Partner" aufgeführt. Und Bussmann hat in den letzten Jahren vermehrt Verantwortung abgegeben. Völlig überraschend ist die nun angepeilte Nachfolgelösung auch nicht. So sagte Bussmann vor 13 (!) Jahren im Interview mit Inside IT: "… mein Favorit ist, dass Opacc von einem Team geführt wird, das auch Mehrheitsbesitzer der Firma ist."

Brandneues GUI und natürlich auch KI

Interessanterweise war die Nachfolgeregelung an einer Medienveranstaltung Mittwoch am schicken Opacc-Sitz in Rothenburg kein Thema. Gesprochen wurde vielmehr über die neue User-Oberfläche der Business-Software. Ganze sechs Jahre hat man am neuen völlig neuen Look & Feel gearbeitet. Lanciert wird die neue Opacc-Generation am 1. April.
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Foto: zVg
Das Datenmodell und die Business-Logik in Opacc wurde nicht angerührt. Das GUI hat man hingegen völlig neu gebaut. Eingesetzt wird nicht mehr Java, sondern C#. Die neue Oberfläche ist nicht responsive und damit auf Smartphones nicht zu gebrauchen. Das würde für die meisten Teile einer ERP-Lösung auch wenig Sinn machen. Sie erinnert stark an die Oberfläche von Microsoft Dynamics. Die verschiedenen Funktionen erscheinen in Widgets und sind beliebig anpassbar. Die Opacc-User werden sich künftig also "ihr Opacc" nach Belieben selbst zusammenstöpseln können. Mit der neuen Oberfläche kommt das gute alte Opacc nun als moderne, flexible und userfreundliche Lösung daher. Zwar gibt es logischerweise noch Listen, aber Dropdown-Menus gibt es nicht mehr. An ihre Stelle treten Workspaces und ablösbare Tabs. Zudem kann lokal oder über das ganze System hinweg gesucht werden. Die Listen selbst sind flexibler, zum Beispiel können die Anwender Spalten hinzufügen oder entfernen.

Erste Versuche mit KI

Dass die Luzerner den genialen KI-gestützten Übersetzungsservice von Deepl im ganzen System zur Verfügung stellen, ist gut gemacht. So können zum Beispiel fehlende Übersetzungen von Produktbeschreibungen jederzeit in die von Deepl abgebildeten Sprachen übersetzt werden. Für die vielen Opacc-Kunden aus dem technischen Handel ist das eine wichtige Funktion. Deepl kann mit eigenen Glossaren ergänzt werden – auch das eine Funktion, die man in der Schweiz braucht.
Noch in den Anfängen steckt der Anspruch, die Service-Plattform Oxas, die unter der Business-Lösung steckt, den Kunden auch als Plattform für KI-Services anzubieten. Bis jetzt gibt es zwei Anwendungen, die von Machine Learning unterstützt werden: Produktempfehlungen für Webshops und Online-Kataloge und vertiefte Funktionen bei der Kundenanalyse.

Botschaft an Kunden und Mitarbeitende

Bussmann wird seine Anteile an Opacc nicht verkaufen – schon gar nicht an eine Beteiligungsfirma oder einen Konkurrenten. Dass er nun ganz unaufgeregt in einem Podcast die Nachfolgelösung skizziert, dürfte Mitarbeitenden und Kunden eine gewisse Sicherheit geben. Zumal die Luzerner mit der neu entwickelten Oberfläche und den ersten Experimenten mit KI zeigen, dass sie bereit sind, weiterhin in die Software zu investieren.
Wie bei allen Nachfolgelösungen wird die Herausforderung darin bestehen, das Gewicht zwischen Verwaltungsrat und der Gründergeneration und der neuen Führung so zu verteilen, dass möglichst wenig Reibungsverluste entstehen.

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