EPFL testet autonomen Essenskurier

13. Oktober 2020, 12:22
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Auf dem Campus kommt die Lieferrobotertechnik der Post auf den Prüfstand.

Ab sofort liefert ein autonom fahrender Shuttle auf dem Campus der ETH in Lausanne (EPFL) Mahlzeiten an Studenten aus. Wie die Uni mitteilt, handelt es sich um das Forschungsprojekt "Adore" (Autonomous Delivered Orders from Restaurants at EPFL). Erforscht wird, welche Funktionen das Elektrofahrzeug in praktischen Situationen erfüllen kann. Dazu kommen Aspekte wie Robotik, IT, Maschinenbau, Telekommunikation und die Interaktionen mit Verkehrsteilnehmern auf den Prüfstand. Man wolle alle Dimensionen der autonomen Technologie erforschen, sagte Luca Fontana, Spezialist für nachhaltige Mobilität an der EPFL, der Nachrichtenagentur 'Keystone-sda'.
Verantwortet wird das Projekt vom Büro für Nachhaltigkeit gemeinsam mit der "Catering, Shops und Hotels"-Unit der EPFL, heisst es in der Mitteilung weiter. Der mehrere Wochen dauernde Pilotversuch dreht sich um die Lieferung von Mahlzeiten und anderen Produkten.
Gebaut hat den Lieferwagen die chinesische Firma Neolix und zur Verfügung stellt ihn die Schweizer Post. Das autonome Fahrzeug ist 1 Meter breit, knapp 3 Meter lang und 1,8 Meter hoch, verfügt über 15 Sensoren, 5 Kameras und einen Touchscreen. Zudem ist eine Satellitenantenne verbaut, die das Fahrzeug ständig ortet. Statt Passagiere werden in 11 Seitenkästen auf jeder Seite Lebensmittel und andere Waren transportiert. Auf dem Campus ist der bis zu 50 km/h schnelle Transporter mit einem auf 6 km/h gedrosselten Tempo unterwegs und wird ständig von einem Studenten begleitet.
Dass man bei der EPFL die Post mit an Bord hat, dürfte wenig verwundern, gehört sie doch hierzulande zu den Vorreitern in Sachen Lieferroboter: Sie hat diese schon vor 5 Jahren ausprobiert. Tests waren allerdings mit viel kleineren Robotern unter anderem mit Jelmoli durchgeführt worden. Ende 2019 hatte die Post aber mitgeteilt, vorerst keine eigenen Outdoor-Projekte mehr zu betreiben.
Das EPFL-Projekt wird in 3 Phasen ablaufen. Zunächst mache man sich und die EPFL-Studenten mit dem Fahrzeug vertraut. So soll der Wagen nach rund 2 Wochen unter Selbstfahrbedingungen auf einer via Navigationssystem vorgegebenen Route diverse Orte des Campus ansteuern können. Dann sollen während wiederum 2 Wochen die Systeme zur Verwaltung der Bestellungen, der Abhol- und Lieferorte und der Lieferzeiten, sowie die Nutzererfahrung ausgewertet werden. Es wird also konkret einer Testgruppe Essen geliefert.
Dabei werden die Mahlzeiten "selbstständig", wie es heisst, im Takinoa-Restaurant des Rolex Learning Centers abgeholt und dann zur Esplanade, dem Starling Hotel, zur Studentenwohnsiedlung Estudiantines und zum Innovationspark gebracht. 300 Meter bevor der Shuttle eintrifft, würden die Bestellenden eine Textnachricht mit dem Zugangscode zu einem der Seitenfächer erhalten. Beim Eintreffen des Fahrzeugs am jeweiligen Übergabeort soll es dann abermals eine Nachricht geben.
Wenn diese beiden Testphasen gut verlaufen, soll der Service allen EPFL-Studenten verfügbar gemacht werden und neben Lebensmitteln auch andere Produkte ins Angebot aufgenommen werden.
Fontana spricht in der Mitteilung vom Campus als lebendigem Labor, weil nicht nur das neuartige Transport- und Liefersystem getestet wird, sondern über den Lieferdienst auch gesündere, lokal bezogene Lebensmittel an die Studentenschaft gebracht werden.
Die Initianten des Projekts erhoffen sich, weitere Forschungsteams anzulocken, um verwandte Technologien zu testen wie beispielsweise die zur Optimierung der Fahrbahn des Transporters, zur Erhöhung der Sicherheit des Datentransfers, zur Analyse von Bildern oder zur Förderung der Akzeptanz autonomer Systeme.

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