IBM zieht sich aus dem Geschäft mit Facial Recognition zurück

9. Juni 2020, 14:38
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Der Konzern begründet den Schritt in einem offenen Brief mit Engagement für Antirassismus und Menschenrechte.

IBM will sich aus dem Geschäft mit Software für die Gesichtserkennung zurückziehen. Einen entsprechenden Brief hat das Unternehmen an Mitglieder des US-Kongresses geschickt. Offizieller Anlass sind die aktuellen Proteste nach der Tötung des Afro-Amerikaners George Floyd durch einen Polizisten.
Im Brief begründet Konzern-Chef Arvind Krishna den Rückzug damit, dass man den Einsatz von Facial-Recognition-Technologie für Massenüberwachung, Racial Profiling und die Verletzung von Menschenrechten und Freiheiten ablehne. Zudem heisst es: "Wir glauben, dass es jetzt an der Zeit ist, einen nationalen Dialog darüber zu führen, ob und wie die Technologie von den inländischen Strafverfolgungsbehörden eingesetzt werden sollte."
Der Einsatz von Technologie für die Gesichtserkennung ist bekanntlich umstritten. Unter anderem der Skandal um die Firma Clearview, die Milliarden von Fotos für Gesichtsdatenbanken gesammelt hatte, hatte das Thema in letzter Zeit hochgekocht. Neben der Verletzung der Privatsphäre war auch die Fehleranfälligkeit entlang ethnischer Markierungslinien immer wieder bemängelt worden.
IBM selber war im Frühling 2019 in die Schlagzeilen geraten, weil das Unternehmen seine KI mit Flickr-Bildern trainierte, ohne die User zu fragen. Für den Konzern ist der Rückzug kein einschneidender Schritt. Sei die Firma doch im Vergleich mit den grossen Konkurrenten Microsoft, AWS oder Google nicht wirklich erfolgreich, zitiert 'Watson' den IT-Rechtsexperten Michael Veale. Und mit dem öffentlichkeitswirksamen Schritt dürften diese unter Druck kommen.
'CNBC' zitiert einen Insider der erklärte, dass die Entscheidung sowohl aus geschäftlichen wie aber auch aus ethischen Gründen erfolge. Schliesslich hätten sich in den letzten Wochen besorgte Stimmen gehäuft, auch aus der Belegschaft von IBM.
Im offenen Brief schreibt IBM davon, dass der schlimme und tragische Tod von George Floyd und weiteren daran erinnere, dass der Kampf gegen Rassismus so dringend bleibe wie schon immer. Der Konzern fordert nun Polizeireformen, den verantwortungsvollen Einsatz von Technologie und bessere Bildungsmöglichkeiten.

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