Die Schweizerische Post teilt mit, dass sie in Lissabon einen Informatik-Standort eröffnet. Das neu gegründete Tochterunternehmen "Swiss Post I/T Portugal" soll in den ersten Monaten des kommenden Jahres den Betrieb aufnehmen und anfänglich rund 50 Fachkräfte beschäftigen. In einigen Jahren sollen es dann rund 120 Leute werden, die vor allem in den Bereichen Softwareentwicklung, Daten- und Business-Analyse und Cybersecurity tätig sein sollen.
Die Post begründet ihren Schritt nicht mit dem Ziel, Kosten einzusparen, sondern mit dem Fachkräftemangel in der Schweiz. Hier würden zunehmend Informatik-Fachkräfte fehlen, und der Kampf um die besten IT-Talente verschärfe sich. Dies habe Folgen für die Post. Weil sie die nötigen IT-Fachkräfte in der Schweiz nicht mehr ausreichend rekrutieren könne, würden immer mehr Stellen unbesetzt bleiben
"Wir ziehen viele Register, um eine attraktive IT-Arbeitgeberin zu sein", lässt sich dazu Wolfgang Eger, Leiter Informatik und Mitglied der Konzernleitung, in der Mitteilung der Post zitieren. "Trotzdem können wir offene Stellen oft erst nach langer Zeit oder nicht mehr ausreichend besetzen. Deswegen steigt das Risiko, dass uns mittel- und langfristig die nötigen IT-Ressourcen fehlen, um die Digitalisierung der Post planmässig umzusetzen."
Die Post betont zudem, dass sie mit diesem Schritt keine Arbeitsplätze ins Ausland auslagern wolle. Auch in der Schweiz wolle man bis 2030 zusätzlich 200 ICT-Arbeitsplätze schaffen, obwohl bis dahin auch noch 270 Pensionierungen kompensiert werden müssen. Gegenwärtig arbeiten rund 1300 Leute in der Informatik-Abteilung der Post.
Gewerkschaft reagiert zurückhaltend
In früheren Jahren führten Offshoring- und Nearshoring-Projekte von Schweizer Unternehmen oft zu Protesten. Mittlerweile wird aber kaum noch bestritten, dass der Fachkräftemangel im ICT-Bereich hierzulande sehr real ist. Laut einer
aktuellen Studie von ICT-Berufsbildung braucht die Schweiz aufgrund von Pensionierungen, Abwanderung und der digitalen Transformation bis 2030 etwa 120'000 neue ICT-Fachkräfte. Das ICT-Bildungssystem werde aber beim aktuellen Stand bis dann nur knapp 38'000 Fachkräfte hervorbringen, und Zuwanderung bringe vielleicht etwa 44'000 Fachleute in die Schweiz. Damit würde eine "Fachkräfte-Lücke" von rund 38'000 Leuten entstehen.
Entsprechend zurückhaltend reagiert die Gewerkschaft Syndicom auf den Schritt der Post. Dass sie diesen Weg beschreite, sei "in gewisser Weise nachvollziehbar". Matteo Antonini, Mitglied der Geschäftsleitung von Syndicom lobt die Post zudem dafür, dass sie in Portugal "Arbeitsbedingungen über dem Marktniveau anbieten" wolle. Dies sei vorbildlich.
Syndicom hat trotzdem auch eine zentrale Forderung: Alle Angestellten in Portugal sollen auch ein Stellenangebot für die Schweiz erhalten, falls sie hierherkommen wollen. Damit würde eine Konkurrenzsituation zwischen den Jobs in der Schweiz und im Ausland verhindert. Den portugiesischen Angestellten solle zudem garantiert werden, dass ihre Gewerkschafts- und Mitwirkungsrechte eingehalten werden.