Streit um Neuvergabe von Mobilfunkfrequenzen

4. Mai 2026 um 10:29
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Foto: Mudit Agarwal / Unsplash

Die Kommunikationskommission arbeitet derzeit an den Auktionsregeln für 2027. Salt und Sunrise warnen vor einem Duopol im Schweizer Mobilfunkmarkt.

Im Vorfeld der für das erste Halbjahr 2027 geplanten Neuvergabe von Mobilfunkfrequenzen spitzt sich der Konflikt zwischen den drei Schweizer Netzbetreibern zu. Wie der 'Tages-Anzeiger' (Paywall) berichtet, stehen sich Swisscom, Sunrise und Salt in zentralen Fragen zur Ausgestaltung der Auktion gegenüber. Die Vergabe wird von der Eidgenössischen Kommunikationskommission (Comcom) vorbereitet.
Da bestehende Lizenzen Ende 2028 auslaufen, müssen sich die Anbieter erneut Frequenzbänder sichern, um ihre Netze weiter betreiben zu können. Gemäss Bericht wird mehr als die Hälfte der landesweit verfügbaren Bandbreite neu vergeben – die grösste Frequenzauktion seit über einem Jahrzehnt.

Streit um Auktionsregeln

Im Zentrum der Kritik von Sunrise und Salt steht die konkrete Ausgestaltung der Auktion. Laut dem 'Tages-Anzeiger' befürchten beide Anbieter, dass ein von Swisscom unterstütztes Verfahren den Marktführer begünstigen könnte. Sie warnen vor "Spectrum Hoarding", also dem strategischen Aufkauf von Frequenzen, um Wettbewerber zu schwächen.
Konkret kritisieren sie eine Regel, die es einzelnen Teilnehmern erlauben würde, bis zu 50% der verfügbaren Frequenzen zu erwerben. Sollte einer der beiden kleineren Anbieter leer ausgehen, drohe ein Duopol mit nur noch zwei relevanten Marktakteuren, so die Befürchtung. Die Comcom bestätigt gegenüber der Zeitung, dass diese Regel überprüft werde. Ein Duopol sei "nicht im Sinn" der Behörde, wird Comcom-Präsident Martin Bürki zitiert.
Swisscom weise die Vorwürfe zurück und betone, die eigenen Frequenzen bereits intensiv zu nutzen. Das Unternehmen fordert laut Bericht eine offene Auktion ohne garantierte Kontingente für Wettbewerber und verweist auf die eigene Kundenbasis sowie Investitionen in die Netzinfrastruktur. Sunrise und Salt hingegen argumentieren mit einer hohen Auslastung ihrer bestehenden Kapazitäten und sehen sich gegenüber Swisscom strukturell im Nachteil.

Folgen für Markt und Ausbau

Neben der Marktstruktur rücken auch mögliche Auswirkungen auf Preise und Netzqualität in den Fokus. Weniger Wettbewerb könnte sich laut Sunrise und Salt auf die Tarife auswirken. Gleichzeitig seien insbesondere tiefe Frequenzen entscheidend für die Versorgung in Gebäuden oder unterirdischen Bereichen.
Ein weiterer Streitpunkt seien die hohen Mindestgebote von bis zu rund 919 Millionen Franken. Selbst Swisscom erachte die Einstiegspreise als hoch und verweise auf deutliche Steigerungen gegenüber früheren Auktionen. Die Anbieter warnen, dass solche Kosten Investitionen in den Netzausbau bremsen könnten. Die Comcom verteidigt laut dem 'Tages-Anzeiger' die Preisgestaltung mit Verweis auf den öffentlichen Charakter des Frequenzspektrums. Dieses sei ein knappes Gut, dessen Wert im Interesse der Allgemeinheit festgelegt werde.
Zusätzliche Herausforderungen ergeben sich durch regulatorische Hürden beim Antennenausbau. Fehlende Frequenzen müssten durch zusätzliche Infrastruktur kompensiert werden – ein kosten- und zeitintensiver Prozess. In diesem Kontext bringe sich auch der europäische Infrastrukturanbieter Cellnex in die Debatte ein und plädiere für eine verstärkte gemeinsame Nutzung von Infrastruktur, heisst es im Bericht.

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