Es wäre wohl eines der monumentalsten Ereignissen in der Tech-Geschichte gewesen: Mitte Juni 2000 ordnete ein amerikanischer Bezirksrichter an, Microsoft müsse in zwei Unternehmen aufgesplittet werden. Eine Firma solle sich um die Entwicklung von Betriebssystemen kümmern, eine andere um alle anderen Applikationen, damals unter anderem Office und Internet Explorer.
Thomas Penfield Jackson, der unter anderem wegen dieses "Microsoft Cases" sogar einen eigenen
Wikipedia-Eintrag hat, begründete sein Urteil laut '
CNN' so: Microsoft sei absolut nicht bereit, einen Verstoss gegen das bundesstaatliche Kartellrecht einzugestehen und habe keinerlei Bereitschaft gezeigt, sein Geschäftsgebaren zu ändern.
Microsoft verstösst gegen Kartellrecht
Mit dem Urteil wollte der Richter darüber hinaus verhindern, dass Microsoft Hard- und Softwareunternehmen bestraft, die an konkurrierenden Produkten arbeiten oder andere bevorzugt, die Microsoft dabei geholfen haben, Konkurrenten vom Markt auszuschliessen.
Wie wir heute wissen, wurde dieses Urteil nie umgesetzt. Microsoft legte sofort Berufung ein und erhielt rund ein Jahr später recht. Ein Berufungsgericht hob das Urteil vollständig auf. Die Gründe dafür waren aber nicht inhaltlicher Natur. Im Gegenteil: Das Gericht bestätigte laut '
CNN', dass Microsoft ein Monopol auf dem Markt für Computerbetriebssysteme habe und diese Monopolstellung durch wettbewerbswidrige Mittel aufrechterhält, die gegen US-Kartellgesetze verstossen.
Richterliches Fehlverhalten hilft Redmondern
Aufgehoben wurde das Urteil aufgrund "richterlichen Fehlverhaltens". Thomas Penfield Jackson habe gegen ethische Richtlinien verstossen, wonach Richter keine öffentlichen Kommentare zu hängigen Fällen abgeben dürfen. Offenbar sprach Penfield Jackson mit einem Journalisten, bevor er das Urteil offiziell verkündete. Auch soll er Microsoft-Gründer Bill Gates unter anderem als "Napoleon" betitelt und beleidigt haben. Deshalb warf ihm das Berufungsgericht Voreingenommenheit vor, was Penfield Jackson bestritt.
Idee lag auch bei Swisscom auf dem Tisch
Auch hierzulande gab es Vorschläge für die Aufsplittung von Technologieunternehmen. So lag 2008 ein Vorschlag vom damaligen Sunrise-Chef Christoph Brand auf dem Tisch, der
Netz und Dienste bei Swisscom trennen wollte. Umgesetzt wurde auch dies nie, stattdessen wird zumindest in der Politik seit Kurzem wieder die
Privatisierung des Unternehmens diskutiert.