Der "Digital Barometer 2024" des Versicherers Mobiliar und der Stiftung Risiko-Dialog hat die Schweizer Bevölkerung unter anderem zu Künstlicher Intelligenz befragt. Die Grundstimmung zu KI-Anwendungen sei "ambivalent", lautet ein Fazit der Befragung.
Im Schnitt geben gleich viele Befragte eine positive (35%) wie negative (34%) Grundhaltung zu KI-basierten Technologien an. Dabei schätzen gut gebildete Personen die Technologie tendenziell eher positiver ein. Damit stehe die Schweiz nicht alleine da, heisst es im Barometer. "Gemäss dem Report des Deutschen Zentrums für KI-Risiken und Auswirkungen zeichnet sich in Deutschland ein ähnliches Bild."
KI für Klimaschutz und Effizienzsteigerung
Die grössten Chancen für KI sehen die Befragten vor allem in den Feldern Ökologie und Klimaschutz (30%), wie auch bei der Effizienzsteigerung von Arbeitsprozessen und neuen Arbeitsmodellen (31%). Das deute darauf hin, dass die Bevölkerung innovativen Technologien gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen ist, sofern diese zur Lösung drängender Probleme beitragen, bilanziert der Barometer.
Gefahren verorten die Umfrageteilnehmer und -teilnehmerinnen insbesondere bei der Beeinflussung der öffentlichen Debatten (59%), der Abnahme sozialer Kontakte (56%), der flächendeckenden Überwachung wie auch dem Arbeitsplatzverlust (je 52%). Eine weitere Zahl steche allerdings besonders ins Auge: Rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung (49%) nimmt KI als potenzielle Bedrohung für die Menschheit insgesamt wahr.
Kaum Vertrauen in staatliche Regulierung
Im Kontext dieser Unsicherheit spiele das Vertrauen in eine angemessene staatliche Regulierung von KI-Technologien eine entscheidende Rolle, heisst es weiter. Die EU hat mit dem "AI Act" das weltweit erste KI-Gesetz
in Kraft gesetzt. In der Schweiz will der Bundesrat Ende 2024
eine politische Auslegeordnung vorlegen.
Vor diesem Hintergrund wurde gefragt, wie es um das Vertrauen der Schweizer Bevölkerung steht, dass KI-Technologien hierzulande angemessen reguliert werden. "Rund drei Viertel der Bevölkerung fehlt dieses Vertrauen (72%). Dieser Wert ist alarmierend hoch, zumal die Bevölkerung der Schweizer Regierung grundsätzlich sehr vertraut",
so der Barometer.Eine mögliche Erklärung für diese Diskrepanz sei, dass neue Risiken generell mit mehr Unsicherheit behaftet sind. "Es bleibt abzuwarten, wie sich das Vertrauen entwickelt und inwiefern sich staatliches Handeln auf die Risikowahrnehmung extremer Szenarien, in der KI-System beispielsweise autonom Entscheidungen über Leben und Tod fällen, auswirken wird", schreiben die Autorinnen und Autoren.
Einem Drittel mangelt es an digitaler Grundkompetenz
Befragt wurde die Bevölkerung auch nach digitalen Kompetenzen. 31% fehlt das Basis-Know-how, konstatiert der Barometer. Zu den Grundkompetenzen zählen etwa das Versenden von E-Mails, die Installation einer App, Online-Einkäufe, das Nutzen von Text- und Tabellenkalkulationsprogrammen oder auch das Bezahlen mit dem Smartphone.
Insbesondere der Bildungsgrad spielt eine grosse Rolle, wenn es um die digitalen Fähigkeiten geht. Bei Personen mit lediglich einer obligatorischen Schulausbildung verfügen laut den Angaben nur 41% über Grundkenntnisse. Ab der Stufe Berufsschule seien es hingegen schon 63%, und Hochschulabsolventen und -absolventinnen hätten mit 87% den mit Abstand höchsten Wert.
(Mit Material von Keystone-sda)