Nachdem Google Cloud im Jahr 2019 sein erstes Schweizer RZ bei Green in Lupfig bezog, soll bald ein zweites folgen. "In 12 bis 18 Monaten beziehen wir ein neues Datacenter", sagte Roi Tavor,
neuer Chef von Google Cloud in der Schweiz und Österreich, an einem Medienrountable in Zürich. Wo, beziehungsweise bei wem, sich Google dafür einmieten will, wollte Tavor nicht verraten. "Die Verträge sind aber allesamt fixfertig unterzeichnet", so der Basler.
Preiserhöhungen lassen sich nicht vermeiden
Ob Google Cloud noch vor Eröffnung des zweiten RZ-Standorts in der Schweiz profitabel wird, liess Tavor offen. "Wir wollen möglichst bald, aber sicherlich in den kommenden Jahren Break-even sein", sagte Tavor und bezog sich dabei auf weltweite Zahlen. Länderspezifische Kennzahlen zur Schweiz verriet Google wie gewohnt nicht, aber man sei hierzulande besser unterwegs und wachse schneller, so Tavor. Ob die Cloud-Sparte der Schweizer Ländergesellschaft heute schon profitabel sei, liess er indes offen.
Damit die Profitabilität aufgrund der steigenden Stromkosten nicht abnimmt, wird Google Cloud die Preise für seine Kundinnen und Kunden ‒ dazu zählen unter anderem Swiss, Coop, Roche oder Turnschuhhersteller On ‒ erhöhen müssen, sagte Roi Tavor. Nannte aber dazu keine konkrete Zahl.
Daten innert Stunden nach Singapur verschieben
Viel wichtiger sei ohnehin, dass Google selbst und damit die Kundschaft auf Szenarien wie stundenweise Stromausfälle vorbereitet sei. Dazu bietet Google Cloud seinen Kunden die Möglichkeit, die Daten quasi auf Knopfdruck in ein anderes Land zu verschieben, "beispielsweise Singapur", um deren Verfügbarkeit zu gewährleisten. Das sei auch in regulierten Märkten wie dem Bankenwesen weder aus rechtlichen noch regulatorischen Gründen ein Problem. "Das steht schon heute in den AGB", sagte Tavor. Klar ist, dass Google das verrechnet. "Es kostet nicht gerade das doppelte", so der Cloud-Chef, aber, dass das Pricing in diese Richtung geht, ist zwischen den Zeilen rauszuhören.
Den Cloud Act sieht Tavor wenig überraschend nicht als Hindernis an. Dies würden einerseits die zahlreichen Kundenbeziehungen im Public Sector und insbesondere die Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich im Bereich Container-Management-Plattform
auf Anthos-Basis zeigen, andererseits seien ohnehin Rechtsbegehren punkto Datenschutz aus anderen Ländern weitaus häufiger, als Cloud-Act-bezogene Anfragen aus den USA.
Korrigenda, 29.9.22, 9.15 Uhr: Die Prognose zur Profitabilität von Google Cloud wurde auf Wunsch Googles angepasst.