Bern und seine unendliche Rialto-Geschichte

15. Juli 2025 um 09:59
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Foto: Kantonspolizei Bern

Für das Projekt bei Polizei und Justiz wurde erneut ein freihändiger Auftrag erteilt. Die Berner GPK rechnet damit, dass sich die ursprünglichen Kosten zumindest verdoppeln.

Im Juni 2024 bewilligte der Grosse Rat des Kantons Bern den letzten Nachkredit für das Projekt Rialto. Mit weiteren 7,1 Millionen Franken soll die Migration der Fachapplikation für Polizei und Justiz auf SAP S/4Hana bis 2027 gewährleistet werden. Jährlich sollen dafür rund 2,2 Millionen Franken fliessen. Die Ausgaben werden über fünf Jahre abgeschrieben.
Ende Juni hat die Kantonspolizei jetzt einen weiteren zusätzlichen, freihändigen Zuschlag im Zusammenhang mit Rialto erteilt. Damit werden SAP-Spezialisten von Scc EDV-Beratung Schweiz für projektkritische Analysen und Tests bezahlt, vor allem bezüglich der S/4Hana-Migration. Der Einsatz der Spezialisten soll sich voraussichtlich bis Mitte 2027 erstrecken.
Vorausgegangen war ein erster Auftrag an Scc für die Dauer von September 2024 bis Juni 2025. "Nun wird der ursprünglich prognostizierte Auftragsumfang von 150'000 Franken überschritten. So zeigte sich im Projektverlauf, dass die durchzuführenden Analysen um ein Vielfaches aufwendiger und komplexer sind, als dies ursprünglich vom Systemlieferanten prognostiziert wurde", heisst es zur Vergabe auf Simap. Die Weiterführung des Projekts Rialto erfordere die weitere Inanspruchnahme von fachlichen Unterstützungsleistungen, "ohne diese die Risiken im Projekt nicht tragbar sind".

Bei der Staatsanwaltschaft noch kaum im Einsatz

Rialto hat eine schwierige Geschichte hinter sich. 2022 wurde die Lösung für die Digitalisierung der Abläufe zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft nach mehreren Verspätungen und Zusatz­krediten eingeführt. Doch schon bald kam es zu Beschwerden. Polizistinnen und Polizisten beklagten sich, dass die Software "langsam und fehleranfällig" sei. Ursprünglich entwickelt wurde Rialto von der Kapo und Staatsanwaltschaft Bern zusammen mit Deloitte und Swisscom.
Obwohl Rialto seit drei Jahren bei der Polizei in Betrieb ist, arbeitet die Staatsanwaltschaft noch kaum damit, berichtet die 'Berner Zeitung'. Nur beim Abwickeln von unbezahlten Ordnungsbussen würden die beiden Behörden die neue Software gemeinsam nutzen. Nach aktuellem Stand soll es mit der vollumfänglichen gemeinsamen Nutzung erst Ende 2026 so weit sein. Der Grund sei, dass die Staatsanwaltschaft direkt die neue Standardversion einführen und eine aufwendige Migration wie bei der Polizei vermeiden will.

GPK rechnet mit weiteren Ausgaben

Das problembehaftete Projekt wurde auch von der Geschäfts­prüfungs­kommission (GPK) des Grossen Rats kritisiert. Ende 2023 kam sie zum Schluss, dass das Vorhaben "massiv unterschätzt" und nicht alle Projektziele vollständig erreicht wurden. Schon damals bemängelte sie, dass die "digitale Brücke" zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft nach wie vor fehle.
Gegenüber der 'Berner Zeitung' wollte der Kanton keine Stellung zu den exakten Kosten nehmen, die Rialto mittlerweile angehäuft hat. Laut GPK-Präsident Bänz Müller (SP) hat auch die Kommission darüber aktuell keine Übersicht. Er rechnet aber mit weiteren Ausgaben, weil das System bei der Justiz nach wie vor nicht eingeführt worden ist. "Bis zum definitiven Abschluss des Projekts dürften sich die Kosten im Vergleich zum ursprünglichen Kredit von 13,5 Millionen Franken wohl zumindest verdoppeln", sagte Müller.


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