Berner IT-Millionenprojekt Rialto droht das Aus

8. August 2025 um 09:44
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Foto: Kantonspolizei Bern

Der Kanton kommt beim Vorgangsbearbeitungs­system Rialto nicht zur Ruhe. Mehrkosten in Millionenhöhe und nun das Lebensende einer der technischen Grundlagen torpedieren das Projekt.

Der Kanton Bern sieht sich weiteren Problemen mit seinem Vorgangsbearbeitungssystems Rialto gegenüber. Wie er mitteilt, hätten die System-Lieferantinnen Deloitte und Swisscom der Kantonspolizei Bern und der Staatsanwaltschaft erklärt, dass die zugrundeliegende Technik Ende 2027 eingestellt werden soll. Das Projekt hat seit seiner Initiierung bereits mehrere Nachkredite in Millionenhöhe benötigt.
Laut dem Kanton habe die neue Ausgangslage wesentliche Auswirkungen auf die Zukunft des Systems respektive das Projekt. Rialto wurde 2017 gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft initiiert und schliesslich bei der Kantonspolizei Bern 2022 eingeführt. Das Ziel war, ein integrales Vorgangsbearbeitungssystem mit einer digitalen Brücke zur Staatsanwaltschaft zu schaffen.

Lieferanten in der Pflicht

Das System konnte den Angaben zufolge nach anfänglichen Schwierigkeiten mit Verspätung bei der Kantonspolizei eingeführt werden. Es sei jetzt "zufriedenstellend" seit drei Jahren in Betrieb. Auch für die kommenden Jahre sei der Betrieb gewährleistet. Aber: "Aufgrund dieser veränderten Ausgangslage sind wir gezwungen, die angestrebte Gesamtlösung neu zu beurteilen. Wir erwarten entsprechende Vorschläge von den Lieferantinnen Deloitte und Swisscom, die wir genau prüfen werden", betont Regierungsrat Philippe Müller, Sicherheitsdirektor des Kantons Bern, in der Mitteilung.
Nun will der Kanton nach eigenen Angaben zunächst prüfen, ob eine Migration auf S/4Hana des Rialto-Systems der Kantonspolizei Bern noch erfolgen und somit eine Grundlage für die digitale Brücke erstellt werden soll. "Wir werden das weitere Vorgehen genaustens analysieren. Das Ziel ist eine effiziente Zusammenarbeit von Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft", hält Christian Brenzikofer, Kommandant der Kantonspolizei Bern, fest. Er bedauere die Entwicklung sehr.
Im Unterschied zur Kantonspolizei setzt die Staatsanwaltschaft bis jetzt lediglich in einem kleinen Teilbereich ein Minimum Viable Product (MVP) von Rialto ein. Es basiere auf S/4Hana und belege die grundsätzliche Machbarkeit der Migration von Rialto auf die neue SAP-Plattform, erklärt der Kanton.

Justitia 4.0 steht vor der Tür

Für die Staatsanwaltschaft stelle sich zusätzlich die Frage, ob eine Fortführung des Projekts überhaupt noch sinnvoll ist. Denn bis 2026 solle im Rahmen von Justitia 4.0 schweizweit der elektronische Rechtsverkehr eingeführt werden. Zu diesem Zeitpunkt müsse die Staatsanwaltschaft über eine kompatible Fachapplikation verfügen. Daher könnten sich für die Kantonspolizei und die Staatsanwaltschaft unterschiedliche Lösungsansätze anbieten, die dann einen Einfluss auf das Projekt Rialto hätten.
Die Generalstaatsanwaltschaft und die Kantonspolizei Bern stehen nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit den Lieferantinnen Deloitte und Swisscom. Sie wollen in den kommenden Monaten mögliche Lösungs- sowie Anschlussoptionen prüfen, die im Herbst kommuniziert werden sollen.
Update 11.8.: In der ersten Version des Artikels wurde fälschlicherweise die SAP-Komponente Internet Communication Manager erwähnt, die bei Rialto jedoch nicht verwendet wird. Wir entschuldigen uns für den Fehler.
Rialto verwendet SAPs Investigative Case Management, das vom Hersteller auf S/4Hana migriert und bis anhin nicht abgekündigt wurde.


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