Das Bundesamt für Informatik (BIT) braucht ab nächstem Jahr frische Unterstützung für seine Mainframe-Informatik. Der bundeseigene IT-Dienstleister sucht dafür eine spezialisierte Firma, die den Betrieb der Plattform bis mindestens 2028 garantieren kann. Es geht um Kunden des BIT, die ihre Applikationen weiter auf der Mainframe-Plattform betreiben lassen möchten.
Mainframe sind Grossrechneranlagen, deren erste Varianten wie der Zuse Z3 schon vor dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurden. Das Ende der IT-Dinosauriere wurde immer wieder ausgerufen, bislang ist es aber nicht eingetreten. Im Gegenteil: Fachleute für die Systeme sind hoch begehrt. Im Bankenumfeld sind sie bis heute weit verbreitet. IBM hat erst
in diesem April die z16-Mainframe-Generation speziell für KI lanciert, AWS und andere versuchen hingegen schon länger,
auch Mainframe-Kunden in die Cloud zu locken.Der Know-how-Verlust dürfte teuer werden
Bekanntlich ist die Grossrechner-Technologie unter jungen Informatikerinnen und Informatikern nicht mehr besonders bekannt und beliebt, folglich kämpfen Unternehmen mit einem Verlust des Know-hows. Auch dem BIT droht, in den kommenden Jahren sein Wissen abhanden zu kommen. Nach 2027 beschäftigt das Bundesamt laut den aktuellen Ausschreibungsunterlagen nur noch 2 interne Fachleute – falls diese nicht frühzeitig pensioniert werden.
In den Unterlagen heisst es weiter: "Weil das geforderte Know-how in diesem Bereich zunehmend nicht mehr im BIT vorhanden ist, übernimmt der Zuschlagsempfänger laufend Aufträge und Funktionen von den ausscheidenden Mitarbeitenden." Ab 2028 soll der Dienstleister allein für Betrieb und Optimierung der Mainframe-Informatik zuständig sein.
Die beiden Bedarfsstellen des BIT haben nämlich bis heute kein Ablösungsprojekt gestartet. Es könne darum auch ein Weiterbetrieb über das Jahr 2028 hinaus nicht ausgeschlossen werden, heisst es in den Ausschreibungsunterlagen. Bis Ende 2027 sollen maximal 55'000 Arbeitsstunden anfallen, das wären bei einem Stundenansatz von 200 Franken 10 Millionen Franken. Danach rechnet das BIT über 4 Jahre sogar mit bis zu 100'000 Stunden, die der Zuschlagsempfänger unter einem Rahmenvertrag im Höchstfall erbringen muss – also theoretisch weitere 20 Millionen Franken.
Wer sind die Mainframe-Abhängigen?
Das BIT erwartet für den Betrieb ab 2028 Fixpreise und hofft, dass der Anbieter aufgrund der Erfahrung nicht 100'000 Stunden verrechnet. Das BIT betreibt heute nur noch drei Applikationen auf der Mainframe-Plattform. Neue Applikationen werden den Kunden, den Verwaltungen des Bundes, nicht mehr angeboten. Es sei keine "strategische Technologie" mehr, schreibt das Amt, das heisst in Umgangssprache: "Wir würden Mainframes gerne loswerden." Wer sich viel Zeit mit der Ablösung seiner Plattform lässt, kann man aus den Unterlagen ableiten, auch wenn die Stellen nicht genannt werden.
Die grösste Applikation heisst "NK AVAM" und wird seit Sommer 2007 für die Arbeitsvermittlung und Arbeitsmarktstatistik eingesetzt. Die Anwendung ist das wichtigste Werkzeug für die 3000 Mitarbeitenden der regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) und auch bei kantonalen Amtsstellen im Einsatz. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hatte im letzten Frühling mitgeteilt, dass ein Projekt für die Erneuerung der Nutzeroberfläche von AVAM
Ende 2021 abgeschlossen worden sei. Das System sei damit bis Ende 2027 technisch gesichert, hiess es damals. Mit der neuen Ausschreibung könnte der Zeitraum verlängert werden,
während grosse IT-Projekte in der Arbeitslosen-Administration laufen.Auch das Verzeichnis der privaten Arbeitsvermittlungsbetriebe (VZAVG), das ebenfalls beim Seco angesiedelt ist, wird noch auf Mainframes betrieben. Aber auch das Bundesamt für Strassen Astra braucht für Targa noch Mainframe-Ressourcen. In der Anwendung sind Technische Angaben Rauch, Geräusch, Abgas (eben: Targa) dokumentiert.